Schwetzingen wurde erstmals 766 im Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des
Klosters Lorsch, urkundlich erwähnt. Die erste Ansiedlung von Menschen
an diesem wohl damals schon attraktiven Ort datiert jedoch wesentlich
weiter zurück.
Im Schwetzinger Neubaugebiet Schälzig entdeckte man 1988 die Spuren
eines der größten Bandkeramiker Friedhöfe in Südwestdeutschland . Mit
dieser jungsteinzeitlichen Kultur siedelten sich hier vor mehr als
7.000 Jahren die ersten sesshaften, Ackerbau betreibenden Menschen an.
Von nun an finden sich Zeugnisse vieler vor- und frühgeschichtlicher
Kulturen, der keltischen Epoche, genauso wie der Zeit römischer
Besatzung und des hier beheimateten germanischen Stammes der
Neckarsueben. Die Gründung des Ortes datiert in die
alemannisch-fränkische Periode, als, so nimmt man an, ein Mann namens
"suezzo" sich mit seiner Sippe hier niederließ. Der ursprüngliche
Ortsname "suezzingen" leitet sich hiervon ab.
Schloss Schwetzingen, damals noch eine wehrhafte Wasserburg des
Rittergeschlechtes der Erligheimer, wurde erstmals 1350 in einer
Urkunde erwähnt. Elsbeth von Schonenberg räumte darin dem Pfalzgrafen
Rudolf ein ständiges Wohnrecht in der "Veste" Schwetzingen ein. So
gelangte das Schloss und die dazu gehörigen Besitztümer allmählich ganz
in den Besitz der Kurpfalz. Die in Heidelberg residierenden Pfalzgrafen
und späteren Kurfürsten der Pfalz kamen gerne und oft in das nah
gelegene Schwetzingen, um in den wildreichen Forsten des Hardtwaldes zu
jagen
Wie fast die gesamte Kurpfalz wurde Schwetzingen sowohl im
Dreißigjährigen Krieg als auch 1689 im Orléanischen Erbfolgekrieg fast
völlig zerstört. Kurfürst Johann Wilhelm, dessen Wappen heute noch den
Schlosseingang ziert, ließ das Schloss wieder aufbauen, das sein
Nachfolger Carl Philipp zur Sommerresidenz erhob. Das goldene Zeitalter
aber begann 1742 mit dem Regierungsantritt Carl Theodors. Die
Anwesenheit des Hofstaates für mehrere Monate im Jahr und die
Bauarbeiten im Schlossbereich belebten Wirtschaft und Handel. 1759 mit
dem Marktrecht ausgestattet, wurde Schwetzingen zum Mittelpunkt der
Region.
Das ehemals kleine Bauerndorf änderte sein Gesicht. Um den neu
angelegten Schlossplatz, der noch heute das Zentrum Schwetzingens
prägt, und die Carl-Theodor-Straße als Verlängerung der Ost-Westachse
des Schlossgartens, entwickelte sich Mitte des 18. Jahrhunderts die
barocke "Neustatt", die die beiden mittelalterlichen Ortskerne des
Ober- und Unterdorfes zusammenschloss.
Das größte Bauvorhaben des 18. Jahrhunderts war die Anlage einer der
schönsten Gärten Europas, des Schwetzinger Schlossgartens. In einer
einzigartigen Symbiose schließt sich hier an den von Nicolas de Pigage
geschaffenen streng geometrischen Barockgarten der von Ludwig von
Sckell angelegte englische Landschaftsgarten an. Zahlreiche Bauwerke,
wie der Tempel des Apoll oder die Moschee, zeugen vom aufgeklärten
Gedankengut seines Herrschers.
Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts fiel Schwetzingen dem Großherzogtum
Baden zu. Zum Sitz und Mittelpunkt des neuen Amtsbezirkes Schwetzingen
gewählt, erhielt der Ort durch zahlreiche Ämter, die teilweise heute
noch bestehen, ein neues wirtschaftliches Standbein. Auch die Soldaten
der Dragonergarnison prägten fortan das Straßenbild des 1833 durch
Großherzog Leopold zur Stadt erhobenen Ortes.
Eine fortschrittliche Landwirtschaft, die sich schon früh dem Anbau von
Sonderkulturen zuwandte, erleichterten Schwetzingen den Einstieg in das
industrielle Zeitalter. Während der Hopfenanbau bereits im 18.
Jahrhundert zur Gründung zahlreicher kleinerer und größerer Brauereien
führte, erlebte die tabakverarbeitende Industrie ihre Blüte gegen Ende
des 19. Jahrhunderts. Aus dem Spargelanbau entwickelte sich eine
leistungsfähige Konservenindustrie. Mit dem Bau der Rheintalbahn 1870
wanderten viele dieser ersten Industrieen an den südlichen Ortsrand ab.
Noch heute befindet sich hier östlich der Bahnlinie Schwetzingens
größtes Gewerbegebiet entlang der Scheffelstraße. Gleichzeitig entstand
ein neues Baugebiet, die sich Richtung Heidelberg ausdehnende Oststadt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Schwetzingen relativ unbeschadet
überstanden hat, änderte sich die gewerbliche Struktur der Stadt. Statt
der großen personalintensiven Betriebe des Sektors Nahrung und Genuss
entwickelten sich leistungsfähige mittelständische Betriebe und ein
starker Dienstleistungssektor, nicht zuletzt durch die touristische
Attraktivität Schwetzingens.
Weitergehende Informationen / Broschüren über die Stadt und deren
Geschichte sind über die Stadtverwaltung zu beziehen. Detaillierte
historische Aspekte beleuchtet die Schriftenreihe des Stadtarchives
Schwetzingen. Der Buchhandel bietet außerdem zahlreiche
Veröffentlichungen über Stadt und Schloss Schwetzingen an.
Quelle: Jürgen Debre
Das Wappen der Stadt Schwetzingen
Beschreibung
In geteiltem Schild oben auf schwarzem Grund ein nach rechts
schauernder, wachsender, rot bewehrter und rot bezungter goldener Löwe.
Unten auf blauem Grund ein silberner Ring.
Bedeutung
In Heft II der "Siegel der Badischen Städte" wird als ältestes Siegel
der Stadt Schwetzingen das an einer Urkunde von 1604 angegeben. Im
Jahre 1960 wurde ein solches aus dem Jahre 1503 im Generallandesarchiv
entdeckt. Es zeigt das Wappen von Schwetzingen in der heute geführten
Form. An einer Urkunde aus dem Jahre 1402 (Januar 26.) ist das Siegel
eines Hans von Schwetzingen, genannt "Wagendryber" (Wagentreiber)
ermittelt worden. Dieses Siegel zeigt im geteilten Schild oben den
Löwen in der bisher bekannten Form, unten jedoch ein achtspeichiges
Wagenrad.
Hans von Schwetzingen ist ein Schwiegersohn des Hans Horneck von
Erligheim. Elsbeth, Witwe eines Hans von Erligheim, öffnete im Jahre
1350 ihre Veste Schwetzingen dem Pfalzgrafen für eine Burgbesatzung.
Die Erligheimer führen einen Löwen im Wappen. Aufgrund dieser und
weiterer Beziehungen zu den Pfalzgrafen ist zu schließen, dass es sich
bei dem Siegel von deren Schwiegersohn Hans Wagentreiber von
Schwetzingen um den pfälzischen Löwen handelt, während das Wagenrad das
Wappen "redend" machen soll.
Im Jahre 1455 besaß Schwetzingen nachweislich noch kein eigenes Siegel,
denn in diesem Jahre bittet das Dorfgericht Schwetzingen "den ehrsamen
Herrn Johann Gleser aus Darmstadt, unsern pfarher zu Swettzingen, dass
er sein ingesigel zu getzugnisse an diesen briff henken wolle".
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass vorher auch Hans von
Schwetzingen für die Gemeinde gesiegelt hat. Da von Nachkommen nichts
bekannt ist, scheint es, dass die Gemeinde Schwetzingen sich nach
diesem Tod ein eigenes Siegel schuf. Dabei wurde auf das Siegel des
einzigen Ortsadeligen, der sich im Siegel je nach Schwetzingen
benannte, zurückgegriffen.
Warum anstelle des Wagenrades ein Ring in der gleichen Größe trat, ist
heute zwingend nicht mehr zu klären. Es ist möglich, dass der Gemeinde
ein deutlicher Sigelabdruck nicht mehr vorgelegen hat. Wahrscheinlicher
ist aber, dass die Speichen und die Radnabe bewusst zur Unterscheidung
weggelassen wurden (Auszug aus "Das Wappensiegel der Stadt
Schwetzingen", Stadtarchiv B 556.)