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24.10.2005
Geschichte der Stadt Schwetzingen



Schwetzingen wurde erstmals 766 im Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch, urkundlich erwähnt. Die erste Ansiedlung von Menschen an diesem wohl damals schon attraktiven Ort datiert jedoch wesentlich weiter zurück.

Im Schwetzinger Neubaugebiet Schälzig entdeckte man 1988 die Spuren eines der größten Bandkeramiker Friedhöfe in Südwestdeutschland . Mit dieser jungsteinzeitlichen Kultur siedelten sich hier vor mehr als 7.000 Jahren die ersten sesshaften, Ackerbau betreibenden Menschen an. Von nun an finden sich Zeugnisse vieler vor- und frühgeschichtlicher Kulturen, der keltischen Epoche, genauso wie der Zeit römischer Besatzung und des hier beheimateten germanischen Stammes der Neckarsueben. Die Gründung des Ortes datiert in die alemannisch-fränkische Periode, als, so nimmt man an, ein Mann namens "suezzo" sich mit seiner Sippe hier niederließ. Der ursprüngliche Ortsname "suezzingen" leitet sich hiervon ab.

Schloss Schwetzingen, damals noch eine wehrhafte Wasserburg des Rittergeschlechtes der Erligheimer, wurde erstmals 1350 in einer Urkunde erwähnt. Elsbeth von Schonenberg räumte darin dem Pfalzgrafen Rudolf ein ständiges Wohnrecht in der "Veste" Schwetzingen ein. So gelangte das Schloss und die dazu gehörigen Besitztümer allmählich ganz in den Besitz der Kurpfalz. Die in Heidelberg residierenden Pfalzgrafen und späteren Kurfürsten der Pfalz kamen gerne und oft in das nah gelegene Schwetzingen, um in den wildreichen Forsten des Hardtwaldes zu jagen

Wie fast die gesamte Kurpfalz wurde Schwetzingen sowohl im Dreißigjährigen Krieg als auch 1689 im Orléanischen Erbfolgekrieg fast völlig zerstört. Kurfürst Johann Wilhelm, dessen Wappen heute noch den Schlosseingang ziert, ließ das Schloss wieder aufbauen, das sein Nachfolger Carl Philipp zur Sommerresidenz erhob. Das goldene Zeitalter aber begann 1742 mit dem Regierungsantritt Carl Theodors. Die Anwesenheit des Hofstaates für mehrere Monate im Jahr und die Bauarbeiten im Schlossbereich belebten Wirtschaft und Handel. 1759 mit dem Marktrecht ausgestattet, wurde Schwetzingen zum Mittelpunkt der Region.

Das ehemals kleine Bauerndorf änderte sein Gesicht. Um den neu angelegten Schlossplatz, der noch heute das Zentrum Schwetzingens prägt, und die Carl-Theodor-Straße als Verlängerung der Ost-Westachse des Schlossgartens, entwickelte sich Mitte des 18. Jahrhunderts die barocke "Neustatt", die die beiden mittelalterlichen Ortskerne des Ober- und Unterdorfes zusammenschloss.

Das größte Bauvorhaben des 18. Jahrhunderts war die Anlage einer der schönsten Gärten Europas, des Schwetzinger Schlossgartens. In einer einzigartigen Symbiose schließt sich hier an den von Nicolas de Pigage geschaffenen streng geometrischen Barockgarten der von Ludwig von Sckell angelegte englische Landschaftsgarten an. Zahlreiche Bauwerke, wie der Tempel des Apoll oder die Moschee, zeugen vom aufgeklärten Gedankengut seines Herrschers.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts fiel Schwetzingen dem Großherzogtum Baden zu. Zum Sitz und Mittelpunkt des neuen Amtsbezirkes Schwetzingen gewählt, erhielt der Ort durch zahlreiche Ämter, die teilweise heute noch bestehen, ein neues wirtschaftliches Standbein. Auch die Soldaten der Dragonergarnison prägten fortan das Straßenbild des 1833 durch Großherzog Leopold zur Stadt erhobenen Ortes.

Eine fortschrittliche Landwirtschaft, die sich schon früh dem Anbau von Sonderkulturen zuwandte, erleichterten Schwetzingen den Einstieg in das industrielle Zeitalter. Während der Hopfenanbau bereits im 18. Jahrhundert zur Gründung zahlreicher kleinerer und größerer Brauereien führte, erlebte die tabakverarbeitende Industrie ihre Blüte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus dem Spargelanbau entwickelte sich eine leistungsfähige Konservenindustrie. Mit dem Bau der Rheintalbahn 1870 wanderten viele dieser ersten Industrieen an den südlichen Ortsrand ab. Noch heute befindet sich hier östlich der Bahnlinie Schwetzingens größtes Gewerbegebiet entlang der Scheffelstraße. Gleichzeitig entstand ein neues Baugebiet, die sich Richtung Heidelberg ausdehnende Oststadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den Schwetzingen relativ unbeschadet überstanden hat, änderte sich die gewerbliche Struktur der Stadt. Statt der großen personalintensiven Betriebe des Sektors Nahrung und Genuss entwickelten sich leistungsfähige mittelständische Betriebe und ein starker Dienstleistungssektor, nicht zuletzt durch die touristische Attraktivität Schwetzingens.

Weitergehende Informationen / Broschüren über die Stadt und deren Geschichte sind über die Stadtverwaltung zu beziehen. Detaillierte historische Aspekte beleuchtet die Schriftenreihe des Stadtarchives Schwetzingen. Der Buchhandel bietet außerdem zahlreiche Veröffentlichungen über Stadt und Schloss Schwetzingen an.

Quelle:  Jürgen Debre



Das Wappen der Stadt Schwetzingen

Beschreibung

In geteiltem Schild oben auf schwarzem Grund ein nach rechts schauernder, wachsender, rot bewehrter und rot bezungter goldener Löwe. Unten auf blauem Grund ein silberner Ring.

Bedeutung

In Heft II der "Siegel der Badischen Städte" wird als ältestes Siegel der Stadt Schwetzingen das an einer Urkunde von 1604 angegeben. Im Jahre 1960 wurde ein solches aus dem Jahre 1503 im Generallandesarchiv entdeckt. Es zeigt das Wappen von Schwetzingen in der heute geführten Form. An einer Urkunde aus dem Jahre 1402 (Januar 26.) ist das Siegel eines Hans von Schwetzingen, genannt "Wagendryber" (Wagentreiber) ermittelt worden. Dieses Siegel zeigt im geteilten Schild oben den Löwen in der bisher bekannten Form, unten jedoch ein achtspeichiges Wagenrad.

 Hans von Schwetzingen ist ein Schwiegersohn des Hans Horneck von Erligheim. Elsbeth, Witwe eines Hans von Erligheim, öffnete im Jahre 1350 ihre Veste Schwetzingen dem Pfalzgrafen für eine Burgbesatzung. Die Erligheimer führen einen Löwen im Wappen. Aufgrund dieser und weiterer Beziehungen zu den Pfalzgrafen ist zu schließen, dass es sich bei dem Siegel von deren Schwiegersohn Hans Wagentreiber von Schwetzingen um den pfälzischen Löwen handelt, während das Wagenrad das Wappen "redend" machen soll.

Im Jahre 1455 besaß Schwetzingen nachweislich noch kein eigenes Siegel, denn in diesem Jahre bittet das Dorfgericht Schwetzingen "den ehrsamen Herrn Johann Gleser aus Darmstadt, unsern pfarher zu Swettzingen, dass er sein ingesigel zu getzugnisse an diesen briff henken wolle".

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass vorher auch Hans von Schwetzingen für die Gemeinde gesiegelt hat. Da von Nachkommen nichts bekannt ist, scheint es, dass die Gemeinde Schwetzingen sich nach diesem Tod ein eigenes Siegel schuf. Dabei wurde auf das Siegel des einzigen Ortsadeligen, der sich im Siegel je nach Schwetzingen benannte, zurückgegriffen.

Warum anstelle des Wagenrades ein Ring in der gleichen Größe trat, ist heute zwingend nicht mehr zu klären. Es ist möglich, dass der Gemeinde ein deutlicher Sigelabdruck nicht mehr vorgelegen hat. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Speichen und die Radnabe bewusst zur Unterscheidung weggelassen wurden (Auszug aus "Das Wappensiegel der Stadt Schwetzingen", Stadtarchiv B 556.)

Quelle:  Jürgen Debre


www.schwetzingen.de


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