23.08.2005
Todtmoos - wie es zu seinem Namen kam - Baden
Ursprung der Todtmooser Wallfahrt
1.
Im Schwarzwald war vor Zeiten ein Sumpf, der wegen seiner tödtlichen
Ausdünstung das Todtmoos hieß. Später siedelten sich in den Wäldern um
ihn mehrere Waldbrüder und Holzhauer an. Als einst einer der letzteren
an dem Sumpf eine Tanne fällen wollte, rief aus ihr eine Stimme ihm
dreimal zu: Halt ein! Er fragte, was sie wolle, worauf sie erwiederte:
"Sage den Leuten, daß sie hier zu Ehren der Mutter- Gottes eine Kapelle
bauen sollen." Nachdem der Holzhauer dies ausgerichtet, untersuchte ein
Priester den Baum und fand darin ein kleines hölzernes Vesperbild.
Dasselbe kam auf den Altar der Kapelle, die man neben dem Tannenbaum
errichtete. Bald wurde dahin gepilgert, und es geschahen bei dem Bilde
viele Wunder. Gegenwärtig ist weder das Bild, noch die Tanne mehr
vorhanden; ersteres jedoch durch eine treue Nachbildung in lebensgroßen
Gestalten ersetzt.
2.
Ein Einsiedler im Schwarzwald hatte öfters einen schönen Gesang gehört,
ohne entdecken zu können, wo derselbe herrühre. Nachdem er hierwegen
eifrig gebetet, ging er einst wieder dem Gesang nach und kam zu einer
Tanne, in deren Stamm ein hölzernes Mariabild in einer Blende stand. Er
verehrte es andächtig und verkündete das Geschehene in der ganzen
Gegend, worauf zu dem Baume gepilgert und dabei so viel geopfert wurde,
daß unweit desselben eine Kapelle errichtet werden konnte. Auf deren
Altar stellte der Einsiedler verschiedene Mal das Bild, allein stets
kehrte es von selbst in die Blende zurück. Da ließ er es endlich darin
stehen und, als die Wallfahrten und Opfer immer zunahmen, über die
Tanne eine schöne Kirche bauen, bei welcher das Dorf Todtmoos nach und
nach entstand.
3.
Auf dem St. Antoniusberge wollte man eine kleine Kirche bauen, aber was
man am Tag aufführte, ward in der Nacht durch unbekannte Gewalt wieder
eingerissen. Da warf der Maurer von dort seinen Hammer in Gottes Namen
in die Luft, um zu erfahren, wohin das Kirchlein kommen solle. Derselbe
fiel, eine halbe Stunde davon, in einer sumpfigen Wüste, die das
Todtmoos hieß, bei einer Tanne nieder. Auf diesen Platz beschloß man
nun zu bauen, und als zu diesem Zwecke der Baum umgehauen wurde, fand
sich darin ein hölzernes Mariabild. Zu dem Kirchenbau wollte man schöne
Felsen in der Nähe verwenden, allein der Teufel machte sie unbrauchbar,
indem er mit seinen Klauen die Ritze und Spalten hineinkratzte, welche
heute noch zu sehen sind. Gleichwohl ward das Kirchlein aufgeführt, und
darin das Bild zur Verehrung ausgesetzt. Auf dem Antoniusberg
errichtete man ein Kreuz, wobei die Pilger zu halten und zu beten
pflegen.
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Diese Sagen weichen gänzlich ab von der Entstehungsgeschichte der
Todtmooser Wallfahrt, welche Placidus Rauber beschrieben hat in dem
Werke: Kürtze Histori. Unser lieben Frawen auff dem Schwartzwald in dem
Todtmoß zum Schönbühl etc. Friburgi Brisg. 1628.