23.03.2005
Freiherr Sigismund Karl Johann von Reitzenstein (1766-1847)
Reitzenstein war einer der herausragendsten badischen Politiker in der
wirren Zeit der Französischen Revolution und des Empire. Er entstammte
einer fränkischen Soldatenfamilie und trat 1789 in badische Dienste.
Von 1797-1803 war er Gesandter in Paris. 1806 leitete er als
Kabinettsminister die Heiratsverhandlungen mit Stephanie Napoleon, zog
sich danach nach Heidelberg zurück, war jedoch von 1809-10 und von
1813-17 Staatsminister und massgeblich beteiligt an dem Reformedikt,
das für das alte Badische Territorium wie für die neu hinzugekommenen
Gebiete eine zentrale Verwaltung vorsah, und an dem Familienvertrag,
d.h. der Hochberg-Erbfolge, sowie an der Badischen Verfassung.
Sehr bald erkannte er die durch die Französische Revolution veränderten
Machtverhältnisse. Ihm verdankt Baden die Erhebung zum Grossherzogtum.
Letztlich war er es, der die dynastische Verbindung Baden - Frankreich
befürwortete. Nach der offiziellen Ankündigung der Verlobung waren
nämlich am 24. Januar 1806 Oberstkammerherr Freiherr von Geusau und
Baron von Reitzenstein zu Bevollmächtigten für die Ausarbeitung des
Heiratsvertrages ernannt worden. Der Zähigkeit des Badischen Ministers
ist es zu verdanken, dass der Kaiser, wie bei seinem Besuch in
Karlsruhe besprochen, Fräulein von Beauharnais adoptierte.
In einem Bericht vom 18. Februar unterrichtete Reitzenstein den
Kurfürsten, dass im Entwurf Stephanie nur als "Son Altesse Serenissime
Madame la Princesse de Beauharnais" bezeichnet worden sei. Er habe
erklärt, dass der Kurprinz sich mit einer Prinzessin Beauharnais, da
diese immer Tochter des Senators Beauharnais bleibe, "ohnmöglich
vermähle, es sey daher notwendig, dass diese Prinzessin einen anderen
gesetzlichen Vater bekomme, und dies könne, sowohl nach dem römischen
und teutschen, als selbst dem neuen französischen Gesetzbuch auf keine
andere Art, als durch Adoption, welche die Vaterschaft verändere,
geschehen". Es komme hierbei alles auf die Ehre des badischen Hauses an. Darauf
habe man den Ausdruck gewählt "Altesse Imperial, Madame la Princesse
Stéphanie Napoleon de France fille adoptive de S.M. l'Empereuer &
Roy".
Mit einem Exemplar des von ihm unterzeichneten Ehevertrages sandte der
Baron ein dringliches Schreiben an den jungen Bräutigam Karl, zum
schnellstmöglichen Zeitpunkt nach Paris zu kommen. Er fügte hinzu:"Ich
kann mir nicht vorstellen, wer Sie noch zurückhalten könnte. Aber ich
kenne die unendliche Lahmheit von Karlsruhe, wo man erst fortgeht, wenn
man auf morgen verschoben hat, was man heute hätte machen sollen."