17.12.2006
Der erste Skilift der Welt von Robert Winterhalter
Die Gemeinde Eisenbach lieferte im Jahr 2001 wichtige Unterlagen an die
Skisportmuseen in Hinterzarten und Haus in der Steiermark (Österreich).
Sie belegen, dass der erste Skilift der Welt im Ortsteil Schollach der
Gemeinde Eisenbach stand. Ein Pionier auf dem Gebiete des Tourismus
hatte ihn erfunden: der Land- und Gastwirt Robert Winterhalder, der
sich mit seinem Schollacher „Kurhaus“ schon um 1900 einen touristischen
Namen gemacht hat. Noch bekannter ist der „Schneckenwirt“ jedoch durch
seine „epochemachende Neuerung auf dem Gebiete des Skisports“ geworden.
Es war zu einer Zeit, als im Kurhaus in Schollach ein warmes Bad noch 1
Mark, 1 Kanne warmes Wasser aufs Zimmer 20 Pfennig und wöchentlich 3
Handtücher 20 Pfennige kosteten. Und es war zu einer Zeit, als gerade
der Skisport „geboren“ wurde und Dr. Pillet als erster Skiläufer auf
dem Feldberg von sich reden machte (sein im Jahr 2000 geschaffenes
Denkmal, von Thomas Matt, Feldberg-Falkau, in Holz gehauen, blickt auf
den Seebuck).
Da war sich Robert Winterhalder sicher, dass „jeder Wintersportfreund
es schon als unangenehm empfunden hat, wenn dem unvergleichlichen
Vergnügen einer Talfahrt mit den Skiern oder dem Rodel ein mühsamer
Bergstieg von vielleicht zehnfach längerer Dauer gegenüber steht, der
ihn dies Vergnügen teuer erkaufen läßt.“ In dieser Erkenntnis gelang es
ihm in langjährigen Versuchen ein Verfahren zu erfinden (es wird
behauptet, dass ihm dabei ein Techniker aus Titisee geholfen hat),
„durch welches der Sportsfreund auf denkbar einfachste Art auf dem
Rodel sitzend oder auf den Schneeschuhen einzeln wieder auf die Höhe
geschafft wird. Es geschieht dies durch eine kontinuierlich sich
bewegende Drahtseilbahn mit Anhängevorrichtung für Rodler und
Skiläufer, die eine fortwährende Benützung des Aufzuges ohne
Unterbrechung ermöglichen.“
Als Antrieb für seinen erfundenen Skilift verwendete Robert
Winterhalder die Wasserkraft seiner Mühle unterhalb des Hauses. Diese
Mühle hatte er schon um 1900 zu einem kleinen Wasserkraftwerk umgebaut.
Die erzeugte Kraft wurde über ein endloses Drahtseil in das
Obergeschoss seines Hauses gebracht, wo Heu und Stroh lagerten. Diese
Art Transmission bildete im Prinzip die Grundlage für den Lift.
Unterhalb des Hauses befand sich ein Weiher, der mit einem Wehr
verschlossen war.
Von hier aus legte er eine unterirdische Eisenleitung bis in das kleine
Mühlenhaus. Das Wasserrad wurde mit einem Treibrad, parallel zum Hang,
verbunden, das den Lift bewegte. Die Bergstation befand sich 280 Meter
höher am Hang (Höhenunterschied 28 Meter). Sie war mit einem Stahlseil,
das über fünf Holzmaste führte, mit der Talstation verbunden. Diese
„Aufzugsbahn“ wurde am 14. Februar 1908 offiziell eröffnet und in
Betrieb genommen. Die Tageskarte kostete 1 Mark und berechtigte zu 10
Fahrten und zur Benützung eines Spezialrodels oder von Schneeschuhen.
Verständlich, wenn Robert Winterhalder seinen ersten Skilift der Welt
patentieren ließ (Patenturkunde vom 16. März 1908). Auslandspatente
erhielt er darüber hinaus für Frankreich (25. September 1908),
Österreich (3. Juli 1909 und 28. Jänner 1911), Schweden (19. Mai 1909),
Norwegen (4. Januar 1909) und die Schweiz (15. Juli 1908).
Zwei Jahre später war es der Bergsteiger de Pellegrini, der zur
internationalen Wintersportausstellung in Triberg, auch
Welt-Ausstellung bezeichnet, den ersten mit Eisenträgern versehenen und
mit einem 15 PS-Elektromotor ausgestatteten Winterhalder-Lift erbauen
ließ. Die Einweihung erfolgte am 24. Januar 1910. Der Lift lief über
eine Strecke von 250 Meter und überwand bis zu 25 Grad Steigung bei
einem Höhenunterschied von 85 Meter. Er konnte 35 Personen gleichzeitig
befördern. Die Kosten: rund 7000 Goldmark! Bei einer
Normalgeschwindigkeit von 6.5 Kilometer in der Stunde dauerte die
„höchstvergnügliche Höhenfahrt“ nur fünf Minuten. In der
Gebrauchsanweisung stand zu lesen: „Gefahr ist nicht zu befürchten, die
Skiläufer packen einfach den hölzernen Handgriff, stehen stramm auf den
Skiern, nehmen an den steilsten Stellen zweckmäßigerweise Hockstellung
ein und lassen sich hochziehen.“
Es war damals nicht ganz einfach eine Dienststelle zu finden, die sich
für die Baugenehmigung zuständig hielt. Schließlich war es die
Großherzoglich-Badische Eisenbahnverwaltung in Karlsruhe, die dem
ersten motorisierten Lift der Welt nach modernem Schlepperprinzip zum
Start verhalf.
Für diese Einrichtung wurde Schneckenwirt Robert Winterhalder vom
Badischen Großherzog die goldene Ausstellungsmedaille mit Urkunde
verliehen.
Ermutigt durch den Erfolg reiften in Robert Winterhalder Pläne, einen
weiteren Skilift am Seebuck zu bauen (er fand keinen Interessenten) und
einen kleineren Aufzug für Skispringer und Zuschauer an der
Max-Egon-Schanze im Fahler Loch zu schaffen. Doch es kam nicht soweit.
Ein Hofrat aus Karlsruhe nahm Robert Winterhalder alle Illusionen, in
dem er feststellte: „Die ganze Sache ist gut, aber es fehlt der
Hintergrund. Sie sollten Doktor, Ingenieur oder wenigstens Techniker
sein. Ja, lieber Schneckenwirt, wir leben in einer Doktor-Zeit, von
einem, der nicht Doktor ist, kann doch nichts Gutes kommen. Die von
Gott gegebene Intelligenz oder die Praxis machens nicht, der „Titel“
macht die Blinden sehend.“
Wie ging es weiter? Wegen Streitigkeiten mit den
Grundstückseigentümern wurde 1914 der motorisierte Lift in Triberg
abgebaut. Der Ur-Lift in Schollach war ebenfalls nur bis zum ersten
Weltkrieg in Betrieb. Die Eisenteile fielen der Materialnot zum Opfer
und wurden zum Gießen von Kirchenglocken eingeschmolzen. Die zeitlich
befristeten Gebrauchsmuster liefen aus. Andere bauten nach dem Prinzip
von Robert Winterhalder Skilifte und verdienten Geld. Der Schollacher
Erfinder ging jedoch kommerziell leer aus. Geblieben ist nur der
Erfinder-Ruhm und die Erinnerung an einen alten Schwarzwälder Tüftler.
Geblieben sind auch Medienberichte und die alten Urkunden, die in den
eingangs erwähnten Museen besichtigt werden können. Nicht gelungen ist
es, den ersten Skilift der Welt als Schaulift wieder aufzubauen.
Während das ursprüngliche Mühlenhäuschen den Witterungseinflüssen zum
Opfer fiel, konnten die Original-Einrichtungen dank des
Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg erhalten werden. Das
Landesdenkmalamt hatte nämlich nur unter der Bedingung, dass die
technischen Einrichtungen erhalten bleiben müssen, der Baugenehmigung
für eine Erneuerung des Mühlenhauses zugestimmt.
Frau Elisabeth Essner kommt in einer Abhandlung des Landesdenkmalamtes
zu der Überzeugung, dass es zulässig ist, beim Schollacher Lift als von
dem „ersten patentierten Skilift der Welt“ zu sprechen, einem
technischen Kulturdenkmal von heimatgeschichtlicher Bedeutung.”