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21.03.2005
Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) - Pfalz



Der Kultulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl hat in seiner Naturgeschichte des Deutschen Volkes von 1853 dem Kapitel über den Westerwald die Überschrift gegeben: "Das Land der armen Leute". Vor diesem düsteren Hintergrund muss das Entstehen und die Entwicklung der bäuerlichen Genossenschaftsidee im 19. Jahrhundert gesehen werden, der besonders der 1818 in Hamm an der Sieg geborene Friedrich Wilhelm Raiffeisen kräftige Impulse gab.

Besuch der Volksschule seines Heimatortes, Privatunterricht durch den Ortspfarrer, militärische Laufbahn in Köln, Koblenz und Sayn - das sind die wichtigsten Daten seiner keineswegs aussergewöhnlichen Jugendzeit. Erst als Raiffeisen 1845 Bürgermeister in der über 20 Gemeinden umfassenden Amtsbürgermeisterei Weyerbusch im Westerwald wurde, legte er mit der Gründung des "Brodvereins" im Hungerwinter 1846/1847 den Grundstein für sein genossenschaftliches Wirken.

Als Bürgermeister von Flammersfeld rief er den Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte" und als Bürgermeister von Heddesdorf bei Neuwied den Wohltätikeitsverein ins Leben, der 1862 in Heddersdorfer Kassen-Verein" umbenannt wurde.

Durch die Verschlimmerung eines Augenleidens bereits 1865 in den Ruhestand versetzt, widmete sich Raiffeisen trotz seiner schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse mit allen Kräften der Genossenschaftsarbeit.

Im Jahr 1866 erschien sein grundlegendes Werk "Die Darlehenskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Not der ländlichen Bevölkerung so wie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter", das bis heute nicht weniger als 7 Auflagen erlebt hat.

Raiffeisen ging es um die Stärkung des bäuerlichen Abwehr- und Selbsthilfewillens. So unterschieden sich die Darlehenskassenvereine von den früheren Hilfsorganisationen dadurch, dass ihre Tätigkeit sich lediglich auf die Gewährung von Darlehen erstreckte und die Abnehmer von Darlehen MItglied bei der Genossenschaft werden mussten.

Der erwirtschaftete Gewinn wurde allerdings nicht unmittelbar unter den Mitgliedern verteilt, sondern floss einem unteilbaren Fonds zu. Obschon also in diesen Vereinen die ökonomischen Prinzipien stärker zur Geltung gebracht werden, blieb in ihnen doch auch weiterhin der Gedanke der christlichen Brüder - und Nächstenliebe verwurzelt, der nicht zuletz in der unbeschränkten solidarischen Haftung aller Genossen ("Einer für alle - alle für einen ") seinen Ausdruck fand.

Raiffeisen hat es mit seinem Werk bespilshaft verstanden, die genossenschaftliche Idee einer Vermittlung und einer notwendigen Gleichgewichts zwischen Freiheit und Solidarität, zwischen wirtschaftlichem Egoismus und christlicher Nächstenliebe lebendig werden zu lassen. Während es zu seiner Zeit modern war, sich mit den Problemen der Industrialisierung auseinanderzusetzen, spürte er den Verhältnissen auf dem Lande nach und befasste sich mit den Veränderungen in der Welt der kleinen Dörfer und der noch nicht von der neuzeitlichen Mobilität ergriffenene Bevölkerung, die nicht selten materiell und seelisch zu verkrüppeln drohte.

Das Ziel seiner Hilfssysteme war die Anweisung zu praktisch-konkretem Handeln aufgrund seiner Beobachtungen. Wenn man Hermann Schulze-Delitsch nicht selten als das Hirn der Genossenschaftsbewegung im 19. Jahrhundert bezeichnet hat, so war Raiffeisen ihr stark pulsierendes Herz.

Kalr Marx, der linksrheinische Jahrgangsgenosse Friedrich Wilhelm Raiffeisens, mag die soziale Frage in seinem "Kommunistischen Manifest" und in seinem "Kapital" vielleicht zupackender formuliert haben als der kleine Bürgermeister aus dem Westwald, dennoch: Raiffeisen hatte abseits aller ideologischen Konstrukte sein Ohr stärker am Mund des Volkes. Marx durfte zwar letzten Endes die Weltgeschichte stärker beeinflusst haben als der Westerwälder Genossenschaftsgründer, aber die Ideen Frieldrich Wilhelm Raiffeisens erwiesen sich letzlich als so flexibel, dass sie heute noch tragen - weltweit.








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