Mehr als 20 Jahre sind seit dem letzten Besuch von Jack Mayer in seiner alten Heimat Speyer vergangen, bis er nun Ende August erneut die Reise nach Deutschland angetreten hat. Als Kind hatte er aufgrund seiner jüdischen Herkunft zusammen mit seiner Familie Speyer verlassen müssen und hat in den USA eine neue Heimat gefunden. Am Montag hatte er zusammen mit seiner Frau Irma die Gelegenheit, Oberbürgermeister Werner Schineller im Stadthaus über seine Erfahrungen zu berichten.
Im Dezember 1930 wurde Jack Mayer in Speyer als Sohn von Alfred und Else Mayer, die damals ein Schuhgeschäft in der Maximilianstraße 47 ( heute Dresdner Bank ) führten, geboren. Beim Treffen mit Oberbürgermeister Werner Schineller spricht der heute 77-jährige von seiner Kindheit in Speyer: Gerne erinnert er sich an das beliebte alljährlich stattfindende Brezelfest.
Im Gedächtnis geblieben sind aber auch die Aufmärsche der Nationalsozialisten in der Maximilianstraße. Mayer erzählt, er habe die Bedeutung dieser Aufmärsche als kleiner Junge noch nicht verstanden und mit dem Publikum mitjubeln wollen, was ihm sein jüdischer Vater natürlich verbot. Im Frühjahr 1938 flohen er, seine Mutter und sein älterer Bruder vor der immer vehementer werdenden Judenverfolgung in die USA. Der Vater war bereits vorausgegangen und hatte, um die Übersiedelung bezahlen zu können, sein Haus und das Schuhgeschäft verkaufen müssen.
Noch heute lebt Jack Mayer, ehemaliger Direktor einer Textilfabrik des US-amerikanischen Unternehmens Angelica, mit seiner Frau in den USA und engagiert sich unter anderem im Rahmen von Vorträgen für ein Holocaust Museum in Florida. Auch die drei Töchter des Ehepaars haben Speyer bereits besucht, schließlich seien hier ihre Wurzeln, so Mayer.
Besuche von Heimkehrern und auch deren Kindern, sowie Speyers Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Yavne seien eine wichtige Erfahrung zur Vergangenheitsbewältigung und eine wünschenswerte Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch und Verständnis, darin waren sich der Oberbürgermeister und Mayer einig. Deshalb war er auch spontan bereit, eine 12. Klasse des Nikolaus- von- Weis Gymnasiums zu besuchen, um den Schülern von seinem Lebensweg zu berichten.
Sehr erfreut zeigten sich Mayer und seine Frau über die Pläne, eine Synagoge in Speyer zu bauen, um das einst so rege jüdische Leben und die jüdische Kultur der Domstadt wiederzubeleben. Dies mache ihn sehr glücklich, so Jack Mayer und spätestens zur Eröffnung der Synagoge wolle er Speyer erneut besuchen.
www.speyer.de
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