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19.07.2006
Chef des Forschungszentrums Karlsruhe gegen Atomausstieg - Popp: Kategorischer Verzicht auf Kernkraft ist kaum durchzuhalten
Der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Karlsruhe, Prof.
Manfred Popp, hält den von der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung
beschlossenen Atomausstieg für nicht dauerhaft. «Angesichts der derzeit
unsicheren weltpolitischen Lage und der Risiken für das Klima wird in
Deutschland ein kategorischer Verzicht auf die Kernkraft kaum
durchzuhalten sein», sagte Popp in einem dpa-Gespräch.
Immerhin werde derzeit in europäischen Ländern wie Frankreich, der
Schweiz, Italien, Großbritannien und Finnland laut über den Bau neuer
Atomkraftwerke nachgedacht. «Auch wenn es bei uns momentan nicht um den
Neubau von Kernkraftwerken geht, sollten wir dennoch unsere über
Jahrzehnte erworbene hohe wissenschaftliche Fachkompetenz auf diesem
Gebiet nicht aufs Spiel setzen. Schon jetzt stellen wir einen
ausgeprägten Mangel an wissenschaftlichem Nachwuchs in der Kerntechnik
fest. Ihn können wir in den kommenden Jahren auch durch Absolventen an
den Universitäten nicht kompensieren», sagte Popp.
Wer sich heute für das Studium der Kerntechnik interessiere, habe im
Gegensatz zu zahlreichen anderen Studienfächern eine fast
100-prozentige Arbeitsplatzgarantie, betont der Vorstandschef. Popp
verweist in diesem Zusammenhang auf die wichtigen Aufgaben des Abrisses
stillgelegter Kernkraftwerke sowie der sicheren Zwischen- und
Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Der Vorstandsvorsitzende bedauert es, dass das Forschungszentrum
Karlsruhe und vergleichbare andere Einrichtungen schon jetzt keine
öffentlichen Mittel mehr für die Erforschung neuer kerntechnischer
Systeme verwenden dürfen. So bleibe nur der Rückgriff auf begrenzte
Mittel aus der Wirtschaft, um an der internationalen Entwicklung noch
beteiligt zu sein.
Das Forschungszentrum Karlsruhe feiert am Mittwoch (19. Juli) sein
50-jähriges Bestehen. Mit mehr als 3.500 Mitarbeitern zählt es zu den
größten und besten Forschungseinrichtungen in Europa. Sein
Forschungsanteil auf dem Sektor Kernenergie ist nach Angaben von Popp
in den vergangenen 20 Jahren von einst fast 100 Prozent auf derzeit 15
Prozent drastisch heruntergefahren worden. Er wurde durch neue Themen
wie beispielsweise die Nanotechnologie ersetzt. Das Forschungszentrum
Karlsruhe gehört zu 90 Prozent dem Bund und zu zehn Prozent dem Land
Baden-Württemberg.
Quelle: dpa/lsw

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