28.05.2006 Aufstehen gegen die, die andere verfolgen
Bei der Trauerfreier zum Gedenken an Paul Spiegel, den verstorbenen
Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, appellierte Bundeskanzlerin
Angela Merkel an Toleranz und Zivilcourage. Die deutsche Geschichte
begründe eine besondere Verpflichtung gegenüber den Juden in
Deutschland und dem Staat Israel.
"Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat einen großen Vorsitzenden verloren", sagte die Kanzlerin.
Gemeinsam gegen Intoleranz und Gewalt
Man sei diesem Menschen, der eine moralische Autorität in Deutschland
war, etwas schuldig, betonte sie. Dies gelte gerade in diesen Tagen, in
denen man verstärkt von extremistischen Übergriffen hören müsse.
"Wir müssen aufstehen gegen die, die andere verfolgen, weil ihnen ihre
Religion, ihre Hautfarbe, ihre Herkunft oder was auch immer nicht
passt", forderte Merkel. Diese Gewalt dürfe keinen Platz unter uns
haben.
Deutsches Judentum wieder möglich gemacht
Merkel würdigte Spiegels Verdienste um das deutsche Judentum. Es sei
Juden wie Paul Spiegel und seiner Familie zu verdanken, dass jüdisches
Leben in Deutschland nach 1945 wieder möglich wurde. Von der Hoffnung
einer Renaissance des Judentums in Deutschland sei er erfüllt gewesen.
Der Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem
Zentralrat der Juden geht maßgeblich auf Spiegels Engagement zurück.
Der Vertrag bekundet, dass Deutschland die Heimat von Juden ist und die
Pflege jüdischen Lebens eine besondere Verpflichtung für jede
Bundesregierung darstellt - dauerhaft und unverbrüchlich.
Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel
Wenn heute der iranische Präsident den Holocaust leugnet und Israel von
der Landkarte verschwinden sehen will, dürfe nicht geschwiegen werden:
"Wir alle müssen entschlossen sein, die Bedrohung einzudämmen, die
durch den Iran für die Existenz Israels und den Frieden insgesamt
ausgeht. Diesem Ziel fühlt sich meine Regierung zutiefst verpflichtet",
sagte Merkel.