12.06.2006 Neue Gedenkstätte soll «Zeichen der Erinnerung» setzen - Stuttgart
Ein «Zeichen der Erinnerung» soll die neue Gedenkstätte für die
Deportation und Ermordung von Juden künftig am Stuttgarter Nordbahnhof
setzen. Das Gelände, auf dem die Stätte am kommenden Mittwoch (14.
Juni) eröffnet wird, war in den Jahren 1941 bis 1945 Ausgangspunkt
zahlreicher Deportationen. Mehr als 2.500 Juden vor allem aus
Württemberg wurden nach Angaben der «Stiftung Geißstraße 7» aus
Stuttgart und Umgebung deportiert. Fast alle wurden in Theresienstadt,
in Riga, in Izbica, in Auschwitz und in anderen Sammel- und
Konzentrationslagern der Nationalsozialisten umgebracht.
Im Rahmen des Projektes hatte die Stiftung im September 2003 auch die
Reise «Zug nach Theresienstadt» organisiert. Dabei begleiteten
Künstler, Journalisten und Jugendliche aus der Region zwei Zeitzeugen
und Überlebende auf einer Zugfahrt von Stuttgart nach Theresienstadt.
Im selben Jahr wurde der «Stiftung Geißstraße 7» ein Anerkennungspreis
für ihr Engagement verliehen. Für die Gedenkstätte am Inneren
Nordbahnhof übernimmt die Stadt die Hälfte der Kosten.
Einer der beiden für die Gedenkstätte prämierten Entwürfe sieht vor,
die Schienen unverändert zu lassen und lediglich das Gebiet mit
Schotter aufzufüllen. Ein Betonweg, der einen Blick auf die Gleise
ermöglicht, soll das Gebiet umschließen. Das Konzept folgt dem
Gedanken, dass die deportierten Juden das Ticket für ihre Fahrt selbst
bezahlen mussten. Fahrkartenautomaten sollen daher eine Archivfunktion
übernehmen. Der Besucher kann an ihnen biografische und historische
Informationen abrufen.
Quelle: dpa/lsw
Zeichen der Erinnerung an die Deportation von Menschen jüdischer Herkunft vom Stuttgarter Nordbahnhof
Der Innere Nordbahnhof in Stuttgart ist in den Jahren 1941 bis 1945
Ausgangspunkt zahlreicher Deportationen gewesen. Von hier aus wurden
mehr als 2500 Juden aus Stuttgart und Umgebung in die Sammel- und
Konzentrationslager Riga, Iżbica, Auschwitz, Buchenwald, ins Ghetto
Theresienstadt und in ein Lager bei Wolfenbüttel deportiert. Nur wenige
Menschen überlebten die Deportationen oder die anschließende Lagerhaft.
Zum 60. Jahrestag der ersten von Stuttgart ausgehenden Deportation am
1. Dezember 1941, hat die Stiftung Geißstraße 7 ein Denkblatt zu diesem
Thema der Stuttgarter Stadtgeschichte veröffentlicht. In der
Auseinandersetzung mit den Deportationen vom Nordbahnhof und
Bebauungsplänen der Stadt für das Gelände um die Gleisanlagen erwuchs
die Erkenntnis, diesen Ort als Erinnerungsstätte an diese Ereignisse zu
bewahren. Die Stiftung Geißstraße 7 initiierte daraufhin die Planung
der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“, die an die deportierten und
ermordeten Juden erinnern soll. Sie schrieb einen internationalen
Wettbewerb zur Gestaltung des Mahnmals aus. Teilnehmer waren
Studierende und ihre Professoren aus Deutschland, Italien und der
Schweiz. Im Mai 2002 wurde der Entwurf des Berliner Ehepaares Saß von
der Jury prämiert.
Inzwischen hat die Stadt Stuttgart die Realisierung der Gedenkstätte am
Inneren Nordbahnhof genehmigt und sich 2005 bereit erklärt, die Hälfte
der Kosten zu tragen. Die Gedenkstätte soll im Sommer 2006 eröffnet
werden. Weiterführende Informationen zur Gedenkstätte und zur
Geschichte der Deportationen, sowie zu biographischen Daten der Opfer
und Täter können unter www.zeichen-der-erinnerung.org abgerufen werden.
Im Rahmen des Projektes organisierte die Stiftung im September 2003
auch die Reise „Zug nach Theresienstadt“. Auf dieser Reise begleiteten
verschiedene Künstler, Journalisten und Jugendliche aus der Region die
beiden Zeitzeugen und Überlebeden Inge Auerbacher und Garry Fabian auf
einer Zugfahrt von Stuttgart nach Theresienstadt. Diese Reise hat
Michael Kienzle als Herausgeber im Buch „Zeichen der Erinnerung“
dokumentiert.
Ebenfalls im Jahr 2003 verlieh die Stuttgarter Bürgerstiftung der
Stiftung Geißstraße 7 einen Anerkennungspreis für ihr Engagement im
Rahmen des Projekts „Zeichen der Erinnerung“.
Inzwischen hat die Stiftung Geißstraße 7 das Projekt an den
eigenständigen Verein „Zeichen der Erinnerung“ übertragen, dessen
Vorsitz der Stuttgarter Architekturprofessor Ostertag und die
Rechtsanwältin Breinersdorfer bilden, die beide schon lange an diesem
Projekt beteiligt sind.