12.06.2006 Die Welt zu Gast bei engstirnigen Gewerkschaftsfunktionären
Die Gewerkschaft Verdi unterstützt die Klagen von Beschäftigten im
Einzelhandel gegen verlängerte Ladenöffnungszeiten während der
Fußball-WM. Verdi versuche die gute Stimmung zu torpedieren, kritisiert
der wirtschaftspolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der
FDP-Fraktion, Rainer Brüderle. "Dafür gehört Verdi die rote Karte
gezeigt."
Verdi prüft derzeit in allen Bundesländern, ob Klagen gegen die
ausgeweiteten Öffnungszeiten während der WM einen Aussicht auf Erfolg
hätten, sagte der Fachbereichsleiter für den Einzelhandel im
Verdi-Bundesvorstand, Ulrich Dalibor, am Donnerstag.
Dalibor betonte,
dass die bestehenden Öffnungszeiten völlig ausreichten, um alle
notwendigen Einkäufe zu erledigen. Unterdessen wies Verdi-Sprecher
Günter Isemeyer Vorwürfe zurück, die Gewerkschaft habe absichtlich bis
zur letzten Minute gewartet und nun kurz vor dem WM-Start
Eilverfügungen gegen die längeren Handelszeiten beantragt.
Die meisten der 16 Bundesländer hatten sich bei der Lockerung der
Ladenschlusszeiten während der WM auf Paragraf 23 des
Ladenschlussgesetzes gestützt, wonach andere Öffnungszeiten möglich
sind, "wenn die Ausnahmen im öffentlichen Interesse dringend notwendig
werden". "Die WM ist aber nun mal weder eine Notsituation noch eine
Katastrophe", sagte der Verdi-Sprecher.
Offenbar laute das WM-Motto von Verdi, "Die Welt zu Gast bei
engstirnigen Gewerkschaftsfunktionären", sagte der
FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle der Chemnitzer "Freien Presse".
Es sei typisch für Verdi, überall die Risiken, nirgends aber die
Chancen zu sehen. Für tausende Jobsuchende könne die erhöhte Nachfrage
während der WM die Chance zum Wiedereinstieg in den Beruf werden. "Wenn
es nach Platzwart Bsirske geht, darf aber nach Spielschluss nichts mehr
verkauft worden", sagte Brüderle mit Blick auf den Verdi-Chef Frank
Bsirske.
In der "Rheinischen Post" erklärte der FDP-Vize: "Es ist wenig
gastfreundlich, die Fans vor verschlossenen Ladentüren stehen zu
lassen. Die Geschäfte sollten länger öffnen können, wenn der Bedarf da
ist. Einen Tag vor dem Anstoß zur WM versucht Verdi, die gute Stimmung
zu torpedieren. Dafür gehört Verdi die rote Karte gezeigt."