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03.02.2006
Baden-Württemberg richtet sich auf Streik in Kommunen ein - Stadt Stuttgart gibt Tipps an Bürger aus
Die Bürger in Baden-Württemberg müssen sich vom kommenden Montag an auf
Beeinträchtigungen durch den größten Streik im öffentlichen Dienst seit
14 Jahren einstellen. So werden vielerorts die Mülltonnen nicht
geleert, Kindertagesstätten und Hallenbäder bleiben geschlossen und in
Krankenhäusern werden nur Notfälle versorgt. Die
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ruft die 220.000 Beschäftigten der
Kommunen zum Arbeitskampf gegen die von den Arbeitgebern geforderte
Arbeitszeitverlängerung auf 40 Stunden auf. ver.di will die
38,5-Stunden-Woche erhalten.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Arbeitszeit hatten bei
der Urabstimmung 94,7 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in 100
Betrieben und Verwaltungsstellen für einen Arbeitskampf gestimmt.
ver.di verfolgt eine flexible Strategie, bei der einige Einrichtungen
uneingeschränkt und unbefristet, andere rotierend bestreikt werden.
Auch der Beamtenbund Baden-Württemberg hat seine Tarifbeschäftigten zu
Streiks und die Beamten zur Teilnahme an Protesten außerhalb ihrer
Arbeitszeit aufgerufen. Die Stadt Stuttgart hat bereits Tipps an die
Bürger gegeben: So soll Müll möglichst vermieden werden. Falls Abfall
nicht mehr in die Tonnen passe, solle er in verschlossenen Säcken und
Beuteln neben den Tonnen gelagert werden. Für diesen Zweck können
Bürger an bestimmten Sammelstellen blaue Müllsäcke kostenlos abholen.
Nach Überzeugung des Verwaltungswissenschaftlers Bernd Keller wird der
Streik im öffentlichen Dienst der Kommunen nicht lange dauern. «Ein
solcher Arbeitskampf ist vor allem wegen Beeinträchtigungen bei der
Müllentsorgung und in den Krankenhäuser extrem unpopulär, so dass ich
nicht mit einem wochenlangen Konflikt rechne», sagte der Professor für
Arbeits- und Sozialpolitik an der Universität Konstanz der dpa. Die
großen Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst 1992 und 1974 hätten immer
nur ein paar Tage gedauert. Allerdings hat sich ver.di auf mehrere
Wochen eingestellt.
Der Karlsruher Gesundheitsdezernent Ullrich Eidenmüller (FDP) empörte
sich über den geplanten Arbeitskampf: «ver.di bestreikt die Patienten.»
Wenn tatsächlich am Klinikum Karlsruhe gestreikt werde, befürchte er
eine Gefährdung von Patienten. Die Notbesetzung in dem «einzigen
Maximalversorgungskrankenhaus der gesamten Region Karlsruhe» reiche
nicht einmal zur Behandlung der Schwerkranken.
Mit Blick auf einen Ausstand des Winterdienstes wies der Auto Club
Europa darauf hin, dass Städte und Gemeinden dennoch für die
Verkehrssicherungspflicht verantwortlich seien. Das bedeute, dass sie
entweder für die Räumung der Straßen von Eis und Schnee sorgen oder
rechtzeitig Warntafeln aufstellen müssen. Ansonsten könnten sie für
Schäden infolge von Schnee- und Eisglätte haftbar gemacht werden.
Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Oskar
Lafontaine, unterstützte den Streik: In Zeiten von
Massenarbeitslosigkeit sei eine Arbeitszeitverlängerung
unverantwortlich.
Der letzte Arbeitskampf im öffentlichen Dienst liegt 14 Jahre zurück.
Damals gingen neben den kommunalen Beschäftigten auch die Beschäftigten
von Bund und Ländern auf die Straße. In Baden-Württemberg könnte es
auch wieder zu gemeinsamen Protesten von kommunalen und
Landesbediensteten kommen. Denn am Montag beginnt die Urabstimmung für
die Beschäftigten des Landes Baden-Württemberg, etwa Mitarbeiter in
Hochschulen, Staatstheatern oder Autobahnmeistereien. Für sie fordert
ver.di die Übernahme des Tarifvertrages Öffentlicher Dienst. Zudem will
die Gewerkschaft eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 41 Stunden und
die Kürzung von Sonderzahlungen verhindern.
Quelle: dpa/lsw

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