21.04.2006 20 Jahre nach der Katastrophe in Tschernobyl – Atomkraft endlich beenden! 25., 26.04.2006 (Jahrestag)
Vor 20 Jahren ereignete sich der bisher folgenschwerste Unfall in einem
Atomkraftwerk. Am 26. April 1986 zerstörte eine Explosion den Block 4
des Atomkraftwerkes in Tschernobyl. Was als Angstmache von
Atomkraftgegnern abgetan worden war, wurde nun bittere Realität:
Radioaktiver Fallout verteilte sich über ganz Europa und verstrahlte
Landstriche in der Ukraine, Weißrussland und Russland für Generationen.
Die Gesamtzahl der Opfer ist unklar, liegt aber über 100.000 Menschen
und immer noch leiden insbesondere Kinder an Krebs, Immunschwäche und
Missbildungen.
Russische und westliche Politiker versuchten einhellig, die Katastrophe
herunterzuspielen. Doch immer mehr Informationen sickerten an die
Öffentlichkeit. In Deutschland wurden Spielplätze gesperrt, Eltern
sorgten sich um unverstrahlte Lebensmittel für ihre Kinder, radioaktiv
verstrahlte Molke wurde zum Politikum. Besonders in Bayern
überschreiten noch heute manche Waldpilze die Grenzwerte.
Unter dem Druck der Mehrheit der Bevölkerung sprachen sich
Gewerkschaften, Kirchen und andere gesellschaftliche Organisationen für
einen Ausstieg aus der Atomenergienutzung aus. Umfragen stellen auch
heute eine Mehrheit gegen Atomenergie fest, doch CDU/CSU, FDP und die
großen Energiekonzerne sprechen sich massiv für die Atomkraft aus.
Deshalb müssen die Lehren aus Tschernobyl erneut in Erinnerung gebracht
werden. Die Risiken der Atomkraft dürfen nicht wieder klein geredet und
dem wirtschaftlichen Profitdenken weniger großer Konzerne untergeordnet
werden.
Über 30 Jahre Anti-AKW-Bewegung haben gezeigt, dass es möglich ist,
Erfolge zu erzielen, wenn nur viele Menschen für ein gemeinsames Ziel
kämpfen. Wir haben das AKW in Whyl, Die Wiederaufarbeitungsanlage von
Dragahn bis Wackersdorf, die Inbetriebnahme des Schnellen Brüters und
vieles mehr verhindert. Wir haben es noch nicht geschafft die
endgültige Stilllegung aller Atomanlagen zu erreichen. Doch die
Katastrophe von Tschernobyl mahnt uns, nicht aufzugeben, nicht auf den
Willen oder die Fähigkeiten von PolitikerInnen zu vertrauen, sondern
selbst und gemeinsam für den Ausstieg aus der Atomenergienutzung zu
streiten. Es darf kein zweites Tschernobyl geben!
Denn die Argumente gegen die Atomkraft sind heute noch genauso richtig wie vor 20 Jahren.
Atomkraft ist unsicher und birgt enorme Gesundheitsgefahren. Ein
schwerer Unfall in einem AKW kann überall und jederzeit passieren. In
der Nahumgebung deutscher Atomkraftwerke ist die Krebsrate bei Kindern
erhöht, wie das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigten musste.
Zivile und militärische Nutzung der Atomenergie sind nicht zu trennen.
Alle Staaten, die nach den USA Atombomben entwickelt und gebaut haben,
hatten zunächst ein ziviles Atomprogramm. Das zeigt: Der Export und die
weitere Verbreitung von Atomtechnologie erhöht erheblich das Risiko der
Verbreitung von Atomwaffen.
Es gibt keine Lösung für den strahlenden Atommüll, obwohl dieser für
mindestens eine Million Jahre sicher gelagert werden müsste.
Auch die Argumente für die AKW sind in den letzten 20 Jahren nicht besser geworden.
Die Atomkraft ist keine Lösung für die Klimaproblematik. Atomkraftwerke
haben einen schlechten Wirkungsgrad und die begrenzten Uranvorkommen
erlauben nur einen minimalen Anteil an der Weltenergieproduktion. Die
Zukunft heißt: Ausbau der regenerativen Energien, Energieeinsparung und
dezentrale Energieversorgung.
Atomstrom ist nicht billig. Wenn die wirklichen Kosten (inklusive
Versicherung) zugrunde gelegt und die Subventionierung der Atomkraft
über die steuerfreien Entsorgungsrückstellungen und fehlende
Besteuerung des Brennstoffs beendet würde, wäre der Atomstrom nicht
konkurrenzfähig.
Jeder Tag Atomenergienutzung ist ein Tag zuviel!
Nicht nur Tschernobyl zeigt:
Die Nutzung der Atomenergie ist nicht zu verantworten. Der Atom-Konsens
hat in sieben Jahren lediglich dazu geführt, dass die zwei kleinsten
und ältesten von 19 Reaktoren vom Netz gingen. Und unumkehrbar war
dieser Ausstieg auch nicht. Nicht nur, dass es noch fast 20 Jahre
dauern würde, bis nach den jetzigen Plänen das letzte AKW vom Netz
ginge, wird gegenwärtig ernsthaft eine Verlängerung der Laufzeiten für
die deutschen AKW gefordert. Vereinzelt wird sogar für den Neubau von
Atomkraftwerken in Deutschland plädiert. Gleichzeitig werden die
ungeeigneten Standorte in Gorleben und Schacht Konrad wieder als
Atommüllendlager gepriesen.
Gründe gegen Laufzeitverlängerungen gibt es genug:
Sie erhöhen das atomare Risiko, denn es kommen Alterungseffekte und
Materialermüdung als weitere Störungsursache hinzu. Dies betrifft
gerade AKW wie Brunsbüttel oder Biblis A, die ihre Unsicherheit bereits
unter Beweis gestellt haben.
Die Gefahr eines terroristischen Angriffs auf ein AKW muss neu bewertet und als real eingestuft werden.
Die Menge des gefährlichen Atommülls würde sich erneut deutlich erhöhen.
Erneuerbare Energie statt Atomkraft!
Längere Laufzeiten schieben die nötige Energiewende hin zu Erneuerbaren und mehr Effizienz weiter hinaus.
Die großen Atomstromkonzerne werden bei den jetzigen Strompreisen und
über die steuerfreien Entsorgungsrückstellungen etliche Milliarden Euro
an den alten AKW verdienen. Damit blieben Wettbewerb und eine
dezentralere Stromerzeugung weiter eine Illusion.
Für den europäischen Atomausstieg – keine Exportförderung für Siemens und Co.!
Deutschland ist nach wie vor Mitglied von EURATOM und damit in einer
Organisation, die über günstige Kredite, Forschungsgelder und das
Schaffen einer ökonomischen Sonderstellung, die europäische
Nuklearindustrie aktiv fördert. Wir fordern das Ende der europäischen
Nuklearförderung. Die AKW Konstrukteure versuchen verstärkt die Märkte
in Osteuropa, Asien oder Südamerika zu erschließen. Dabei dürfen sie
nicht auf die finanzielle Unterstützung der deutschen Regierung bauen
können. Um ein vollständiges Ende der Atomenergie in Deutschland zu
erreichen, müssen auch alle Formen der Subvention für Nuklearexporte
gestoppt werden.