Gerade ein Jahr nach der Gründung der LINKEN wird unübersehbar, in welcher
strategischen Sackgasse sich die Partei befindet. Auch wenn auf dem Parteitag
Ende Mai 08 vollmundig erklärt wurde: "Links wirkt. Wir treiben die SPD vor
uns her.", strebt die Führung nichts anderes an, als diesen Zustand
schleunigst zu ändern.
Auch die Hoffnungsträger des linken Parteiflügels können sich
offensichtlich nicht über einen längeren Zeitraum vorstellen, den Kampf um die
öffentliche Meinung zu führen, den außerparteilichen Druck zu erhöhen und durch
mobilisierende Forderungen und Aktionen die Möglichkeiten neoliberale Politik zu
betreiben für die anderen Parteien zu verringern. Die Vorstellung, das
Drohpotential einer Massenbewegung für eine radikale politischen Alternative
aufzubauen und damit einen Politikwechsel zu erzwingen, ist der Führung der
Linken offensichtlich fremd. Statt dessen setzen auch Linkere in der LINKEN auf
die indirekte oder direkte Beteiligung an der parlamentarischen Macht. Sie
wollen mitgestalten, wie auch immer.
Nach Wolfgang Zimmermann in NRW kündigt nun auch Oskar
Lafontaine an, die LINKE im Saarland werde im gegebenen Fall Heiko Mass (SPD)
zum Ministerpräsidenten wählen. Politische Gemeinsamkeiten gebe es genug -
ungeachtet des Festhaltens der Saar SPD an der neoliberalen Agenda 2010 und den
ihr entspringenden Grausamkeiten.
Lieber noch würde natürlich Lafontaine selbst das Amt
übernehmen. Realistisch ist hierfür wiederum nur eine Koalition mit der Saar
SPD. An der Saar stehen somit die Ampeln auf grün für eine Tolerierung einer
SPD-Minderheitsregierung oder eine rot-rote Regierungskoalition.
Beide Optionen stellen Irrwege dar, auf denen die
Möglichkeiten eine Politikwechsel einzuleiten, verschenkt werden. Schon eine
Tolerierung schmälert die Möglichkeiten aus der Opposition heraus kraftvoll
anzugreifen. Der Einstieg in eine Regierungskoalition besiegelt vollends die
Möglichkeiten für einen Politikwechsel auch nur eingeschränkt zu wirken. Unter
den Rahmenbedingungen, die durch die Bundesregierung und die Europäische Union
vorgegeben sind, führt die Beteiligung der LINKEN an einer Landesregierung
absehbar nicht zu einer Abkehr von der neoliberalen Politik. Die direkte Folge
solchen Mitregierens ist, dass den Opfern neoliberaler Politik, den
Lohnabhängigen, die Stimme in den Parlamenten genommen wird. Die mittelbare
Folge könnte die Wiedererrichtung der mühevoll gebrochenen neoliberalen
Hegemonie sein. Diesen Zustand kennen die Betroffenen schon. Sie haben keinen
weiteren Bedarf daran. DIE LINKE soll Opposition ohne Wenn und Aber sein oder
sich gleich in die SPD auflösen.
Edith Bartelmus-Scholich, 12.7.08
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