26.03.2005
Acht Jahre (Iso-) Haft – eine Zwischenbilanz
Im Oktober 1996 wurde ich von der Polizei nach einem Banküberfall vorläufig festgenommen und in Stuttgart – Stammheim in Isolationshaft gesteckt.
Auf Grund mehrerer Verurteilungen soll ich knapp 17 Jahre (exakt: 16
Jahre 9 Monate und 3 Wochen) Freiheitsstrafen verbüßen und im Anschluß
daran (im Jahre 2013 ) nicht etwa freigelassen, sondern in
Sicherungsverwahrung genommen werden (Details dazu was
Sicherungsverwahrung ist: www.freedom-for- thomas.de). D.h. ich kann
nach dem Willen der Justiz auf unabsehbare Dauer eingesperrt werden.
Ich bin ein so genannter Red – Skin (R.A.S.H. = Red and Anarchist Skin
Head) und ein Mensch deutlicher Worte, deshalb auch die weiteren oben
erwähnten Verurteilungen. So war einem Gericht die Bezeichnung einer
Richterkollegin als “ Bilderbuchexemplar einer faschistoiden Richterin
“ sieben Monate Freiheitsstrafe wert. Selbst die Frage nach der
körperlichen Befindlichkeit wurde bestraft, da darin eine versteckte
Morddrohung liege.
Weder vor den Gerichten noch im Gefängnis habe ich es für notwendig
erachtet, falsche Reue zu heucheln, vielmehr vertrete ich meine
persönlichen und politischen Ansichten unverändert und konsequent. Dazu
zählt auch, unter keinen Umständen mit der Justiz zu “ kooperieren “.
Vor einigen Jahren wurde mir von der Haftanstalt mitgeteilt, daß eine
substantielle Abmilderung der Isolationshaftbedingungen nur dann in
Frage käme, wenn ich zum einen vertrauensbildende Gespräche mit der
Anstaltsleitung führen würde und zum anderen “ der Gewalt abschwören “
würde, insbesondere verspräche, weder Mitgefangene aufzuhetzen noch
eine Meuterei oder einen Ausbruch zu planen.
Mittlerweile sitze ich bald acht Jahre unter Isolationshaftbedingungen
im Gefängnis(lediglich 1998 wurden, als man mich kurzfristig nach
Bayern deportierte, die Maßnahmen für kurze Zeit gelockert), das heißt:
24 Stunden am Tag alleine (einmal davon abgesehen, daß ich Wärter sehe,
wenn das Essen gebracht wird oder die Post. In den letzten Jahren wird
gelegentlich die eigentlich auch alleine zu absolvierende tägliche
Stunde im Gefängnishof dadurch aufgelockert, daß ein weiterer Insasse,
der in Isolation sitzt, mit in den Hof kann. Dahinter steckt aber
weniger Menschenfreundlichkeit der Justiz, sondern ein Sachzwang:
sitzen zu viele Gefangene in Isolation und bestehen alle auf ihre
Hofstunde, muß die Anstalt Einzelhöfe zusammenlegen, um allen ihren
Spaziergang zu ermöglichen.
Über die alltäglichen Schikanen möchte ich mich an dieser Stelle nicht
auslassen, Details können auf meiner Homepage nachgelesen werden.
Wo stehe ich nun, nach knapp acht Jahren? Am meisten zu schaffen macht
mir die Handlungsunfähigkeit, die situationsbedingt ist. Anstatt
draußen in dieser Zeit des Umbruchs und der zunehmenden Repression
mitkämpfen zu können, sitze ich hinter Gittern. Aber das was ich von
draußen durch Briefe, Radio und Zeitungen mitbekomme, bestärkt auch
darin, nicht nachzulassen in der Frontstellung gegenüber dem
herrschenden System.
Darin liegt sicherlich auch ein Gefahrenpotential, letztlich zu
verbittern, oder den Bezug zur Realität zu verlieren ; um so dankbarer
bin ich auch, wenn es nicht immer leicht ist, wenn ich durch Kritik auf
den Boden der Tatsachen geholt werde. In der praktizierten Solidarität
durch Briefe von FreundInnen und SympathisantInnen, erlebe ich
tagtäglich, daß ich nicht alleine, nicht vergessen bin. Da ich mit
einigen Gefangenen in brieflichen Kontakt stehe kann ich sagen, die
sehen es genau so: Diese Briefe von draußen sind ganz, ganz wichtig!
Aufmerksam verfolge ich die politischen Entwicklungen auf nationaler
und internationaler Ebene und es ist immer wieder frustrierend, sich
nicht einzumischen, z.B. nicht mal eben auf eine Demonstration gehen
oder sich anderweitig engagieren zu können. Vieles was ich im Gefängnis
als Alltag erlebe(Bespitzelung, Durchsuchung, permanente Kontrolle)
wird sukzessive auch “ draußen “ eingeführt und ich frage mich, ob ich,
wenn ich in Freiheit zurückkehre (wann das sein wird, sei einmal dahin
gestellt), nicht von dem einen Gefängnis in ein viel Größeres wechsele.
Um so wichtiger erscheint es mir Widerstand zu leisten, die Autonomie
zu verteidigen, die repressiven Strukturen und ihre Vertreter in
Politik, Justiz und Wirtschaft zu entlarven, sie zu benennen – und
ihnen unseren Widerstand entgegen zu setzen, in dem wir für eine freie
und gerechte Welt kämpfen!
Ich bin ein Frühaufsteher, meist bin ich schon um 4 Uhr morgens wach
und spaziere im Halbdunkel der Zelle, durch die Scheinwerfer die das
Gefängnisgelände beleuchten wird es nie ganz dunkel, nun ich spaziere
im Halbdunkel auf und ab. Durch die Vergitterung des Fensters sehe ich
ab und zu den Mond oder die funkelnde Venus, rieche bei geöffnetem
Fenster die Kühle der Nacht. Freiheit besteht sicherlich nicht nur in
der Möglichkeit, sich körperlich mehr oder weniger jederzeit frei und
ungehindert an einen anderen Ort zu begeben zu können, sondern auch
darin, seinen Geist, seine Phantasie nicht einsperren zu lassen.
Diese innere Freiheit vermag einem auch die Justiz nicht zu nehmen!