15.03.2006
Fahndungsdienste der Polizei auf Autobahnen
Landespolizeipräsident Erwin Hetger hat am Dienstag, 14. März 2006, in
Stuttgart die erste Jahresbilanz der Fahndungsdienste der
Autobahnpolizei vorgestellt. Die Fahndungsdienste seien im Januar 2005
erweitert, personell mehr als verdoppelt und konzeptionell neu
ausgerichtet worden. „Die Fahndungserfolge zeigen, dass diese Maßnahmen
richtig gewesen sind. Die Fahndungstrupps sind effizient und
erfolgreich“, sagte Hetger.
Die 60 Beamten der Fahndungsdienste hätten 2005 auf den Autobahnen
sowie den Tank- und Rastanlagen in Baden-Württemberg 167,3 Kilogramm
Rauschgift sichergestellt. Dies sei rund 22 Prozent der Menge, die im
ganzen Land von der Polizei in diesem Zeitraum sichergestellt worden
sei (759,1 Kilogramm). Auch das Jahr 2006 habe gut begonnen. Allein in
den drei Tagen vom 6. bis zum 8.März 2006 sei es bei drei Aufgriffen
auf den Autobahnen A 6 und A 81 gelungen, 23,4 Kilogramm Marihuana, 6,6
Kilogramm Cannabis und 500 Gramm Heroin sicherzustellen.
2005 seien auf den Autobahnen des Landes 765 Personen vorläufig fest-
oder in Gewahrsam genommen worden. 94 Personen davon seien mit
Haftbefehl gesucht worden und 238 Personen zur Aufenthaltsermittlung
ausgeschrieben gewesen. Außerdem hätten die Fahndungstrupps bei ihren
Kontrollen 407 Ausländer festgestellt, die sich illegal in Deutschland
aufgehalten hätten. Neben umfangreichem Diebesgut, zum Beispiel 1.600
goldene Ringe, 230 Goldketten, hochwertiger Sportbekleidung und
Elektroartikel hätten auch 137 Waffen und andere gefährliche
Gegenstände aus dem Verkehr gezogen werden können.
Hetger wies darauf hin, dass die Straftaten auf den Autobahnen und den
Tank- und Rastanlagen im Jahr 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 2,8
Prozent zurückgegangen seien. Beim schweren Diebstahl, der das
Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders beeinträchtigen würde, habe
es einen Rückgang um 13,8 Prozent auf 137 Delikte (minus 22) gegeben.
Der Anstieg bei den Rauschgiftdelikten um 495 (plus 24,5 Prozent) auf
2.519 und bei Verstößen gegen das Waffengesetz um 64 (plus 35 Prozent)
auf 245 sei Ausdruck der erhöhten Kontrolldichte. „Hier ist es uns
gelungen, das Dunkelfeld aufzuhellen“, sagte der Landespolizeipräsident.
Die Bilanz belege, dass es sich auszahle, in schlanke, aber
erfolgreiche Trupps zu investieren. Hetger: „Wir stellen noch einmal
rund 60.000 Euro für die Beschaffung modernster Technik zur Verfügung.
Dazu gehören unter anderem Sonden, mit denen bei Schleusungsverdacht im
Lkw die Kohlendioxid-Konzentrationen gemessen werden kann und
Endoskope, um in Hohlräumen von Fahrzeugen nach verstecktem Diebesgut
oder Rauschgift zu suchen.“ Die Beamten der Fahndungsdienste seien auf
den Autobahnen, den Parkplätzen und den Tank- und Rastanlagen rund um
die Uhr im Einsatz, um einen kontinuierlichen, hohen Fahndungs- und
Kontrolldruck auf reisende Straftäter auszuüben. Die Beamten seien
weitestgehend von Ermittlungsarbeit und Bürotätigkeit befreit, um
fortwährend und konzentriert vor Ort präsent sein zu können.
Dabei werde nicht ins Blaue hinein gefahndet, sondern es würden
aufgrund aktueller Kriminalitätslagebilder und deliktsbezogener
Fahndungsraster (zum Beispiel Rauschgift, Diebstahl) gezielt Fahrzeuge
und Personen überprüft. Dabei würden auch grenzüberschreitende
Erkenntnisse beispielsweise aus Frankreich berücksichtigt. „Wir
kontrollieren die Richtigen, sei es aus dem fließenden Verkehr heraus,
an Park- und Rastanlagen oder bei gezielten Großkontrollen“, sagte
Hetger.
Schwerpunktaktionen fänden auch gemeinsam mit polizeilichen
Kooperationspartnern statt. 2005 sei es zu 166 Einsätzen der
Fahndungsdienste mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei gekommen.
25 Mal habe man mit der Bundespolizei, 84 Mal mit dem Zoll und 18 Mal
mit französischen Kollegen zusammen kontrolliert. So könnten
Kenntnisse, Erfahrungen und Kompetenzen vernetzt werden. Die bisherige
Zusammenarbeit der Sicherheitspartner sei vorbildlich und werde in
Zukunft noch intensiviert, um den Fahndungs- und Kontrolldruck auf
potenzielle Täter weiter zu erhöhen. Die Fahndungsdienste hätten im
vergangenen Jahr 81 Großfahndungen und 58 Großkontrollen durchgeführt.
Die Verstärkung der Fahndungsdienste trage dem Umstand Rechnung, dass
sich die Autobahnen des Landes zu einem eigenen Kriminalitätsraum
entwickelt hätten. Die großen Nord-Südverbindungen wie die A 5, die A 7
oder die A 81 und die Ost-West-Achsen A 6 und A 8 spielten bei
Straftätern sowohl in der Planung, als auch bei der Durchführung von
Straftaten eine große Rolle - beispielsweise beim Transport von
Rauschgift aus den Niederlanden oder über die Balkanroute, aber auch
bei Schleusungsdelikten. Mit der Osterweiterung der EU sei die
Bedeutung der Ost-West-Routen für die grenzüberschreitende Kriminalität
weiter gestiegen. Internationale Tätergruppierungen nutzten die
Autobahnen vor allem zum Schmuggel von illegaler Ware, für
Kurierfahrten - hauptsächlich zum Transport von Rauschgift, Falschgeld
und Hehlerware - sowie zur Schleusung illegal Einreisender.
Die große Bedeutung der Autobahnen des Landes zeige sich daran, dass in
Baden-Württemberg täglich auf jedem Autobahnabschnitt rund 60.000
Fahrzeuge unterwegs seien, an neuralgischen Punkten sogar weit über das
Doppelte. Die Fahndungsdienste seien deshalb strategisch bei den
Autobahnpolizeirevieren Stuttgart, Weinsberg, Walldorf, Zimmern ob
Rottweil und Umkirch platziert. „Die Erfolge belegen, Autobahnen in
Baden-Württemberg sind für Kriminelle keine sicheren Reiserouten“, so
die Bilanz des Landespolizeipräsidenten.