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03.10.2005
Platz der Grundrechte - Dezentrale Orte in Karlsruhe




Standorte

Standort 1: Rheinhafen / nördliche  Rheinuferpromenade

Die Gerechtigkeit, so wie ich sie empfinde, wird nicht von Allen geteilt. Was das Recht ist, kann nicht unabhängig  davon sein, was ich empfinde. Es gibt viele Mittel, um  demokratische Rechte zu verzögern oder zu verheimlichen. Das  sage ich, davon ausgehend, dass ich im Rechtsstaat lebe und  das eigene Recht nicht das Recht sein kann.

Es kann nicht sein, dass wir uns Regeln ausdenken, die zwar  vorhersehbar sind, aber vielen Menschen gegen den Strich  gehen. Auf der einen Seite müssen wir mit der Komplexität  der Welt fertig werden, zum anderen können wir aber im  Einzelfall in unserer täglichen Umgebung nur mit  Rechtsregeln umgehen, die eine bestimmte Simplizität haben.

Standort 2: Yorckplatz
Das Recht hat mich verändert. Ich habe den Glauben daran  verloren. Das Recht gibt es nur auf dem Papier. Ich kämpfe  seit sieben Jahren. Mir fehlt der Sinn für das, was ich  erlebe, das ist die größte Strafe. Ich kann nicht damit umgehen. Es geschieht mir am eigenen Leib. Es ist möglich.  Es ist menschlich, auch wenn ich es als inhuman empfinde.

Sicher kann es noch größeres Unrecht geben als das, was im  Namen eines Staates begangen wird. Produzent von Recht in  der Moderne ist aber der Staat, und wenn wir zurückblicken,  ist in der Tat die größte Gewalt oft von der Politik ausgegangen. Auch wenn die Freiheitsrechte zum Inhalt einer  Verfassung geworden sind, muss man um sie kämpfen: nichts  gilt für alle Zeit.

Standort 3: Gutenbergplatz,  Nelkenstraße
Die Zeit heilt keine Wunden. Die Zeit, die wir haben, ist  unsere größte Freiheit, gleich wo wir sind, die Freiheit,  die uns keiner nimmt. Die Freiheit, sich selbst zu  bestimmen, ist die Veränderung, die man erst entdeckt, wenn  man sie verloren hat. Ich habe keine Angst davor. Ich kann  nicht erwarten, dass man mich entschuldigt. Ich bin  schuldig.

Die Todesstrafe ist keine legitime Strafe. Der  Gesellschaftsvertrag, mit dem die Bürger den Staat  konstituieren, umfasst nicht, dem Staat das Recht zu geben,  als Bürger über das eigene Leben zu verfügen. Der Staat hat  dieses Recht nicht und kann es nie bekommen. Deshalb habe  ich ganz fundamentale Einwände gegen die Todesstrafe.

Standort 4: ZKM / Bundesanwaltschaft
Setze nicht deine Liebe aufs Spiel. Es gibt Dinge, die man  nicht reparieren kann. Die Gesetze schützen die Anderen vor mir und mich vor mir selbst. Ich wäre schlimm ohne die  Gesetze. Nur in der Freiheit ist man geborgen, hat man die Leute um sich, die man liebt und ist kein Tiger hinter  Gittern. Ohne die Freiheit wird alles schlimmer.

Es wäre eine Illusion zu glauben, dass ich all das  durchsetzen könnte, was ich für rechtens halte, weil das  auch immer eine Vision ist. Auch wenn ich etwas anstrebe,  weiß ich, dass es äußere Einflüsse gibt, die ich nicht  beeinflusse und die ich akzeptieren muss und die das, was  ich für rechtens halte, nicht verwirklichbar machen.

Standort 5: Justizvollzugsanstalt Karlsruhe, Riefstahlstraße
Jeder Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter macht sich hier  zum Affen und die volle Bürgertribüne weiß nicht, dass sie belogen wird. Gott sei dank gibt es die Wirklichkeit, auch  wenn sie hart sein kann. Was da verloren geht, ist oft nicht beschreibbar, so klein ist es. Der Verlust ist so intim,  dass man nicht weiß, wo oder was es ist. Und die Distanz zum Leben wird derweil größer und größer.

Politik ist eine Frage der Wählerinteressen. Wir sind das  Volk. Wir wollen im Rahmen der Grundrechte das realisieren, was das Volk will. Und das muss man dann auch akzeptieren,  sonst braucht man nicht in die Politik zu gehen. So würde  ich Politik definieren. Politik ist Gestaltung innerhalb des  Rechts. Aber zuviel Recht kann die Nächstenliebe ersticken.

Standort 6: Hans-Thoma-Straße / Ecke  Moltkestraße
Wenn Sie versagen, dann kommen Sie nicht in den Genuss der  Gesetze. Das Recht verselbstständigt sich, das hat mit Strafe nichts zu tun. Ich bin gerecht verurteilt worden,  doch zu meiner Strafe gehört auch meine Resozialisierung.  Die findet nicht statt. Unsere Rechte und unsere Gesetze  sind gut, viel menschlicher muss deren Anwendung  werden.

Wenn die Demokratie in Gefahr gerät, und das ist für uns  eine Frage des Vorfeldes, lautet mein Auftrag, wachsam zu sein und alle Bestrebungen zu verhindern, die den Staat  gefährden. Die Gefahr kann auch von einzelnen Trägern des Staates ausgehen. Auch das ist denkbar, und auch dann  besteht die Aufgabe darin, die Gefahr zu beseitigen.

Standort 7: Bundesverfassungsgericht, Schlossplatz
Es gibt universelle Gesetze in der Physik. Die gelten für  alle. Gibt es eine Angemessenheit? Ist es möglich, für alle einen wünschbaren Zustand zu erreichen? Sich etwas geben,  heißt es irgendwo nehmen. Ich wünsche mir, dass abends, wenn  ich zu Bett gehe, jemand eine Geschichte erzählt und mir  über den Kopf fährt. Aber sagen Sie das keinem, dann bin ich  meinen guten Ruf hier los.

Gleich kann man nur sein im Sinne seiner Rechte, im Sinne  seiner Mitwirkungsmöglichkeiten. Ungleich sind wir immer, was unsere Fähigkeiten angeht. Ungleich sind wir, was unsere  Talente angeht. Auch was unser Schicksal angeht, sind wir  ungleich. Also muss man Gleichheit begrenzen auf die  Rechtsbeziehungen aller zueinander.

Standort 8: SWR Studio Karlsruhe, Kriegsstraße
Ich wollte alles mitmachen, alles kennen lernen, vor allem  das Verbotene. Das Verbotene zieht an, vieles geht lange gut, aber eines Tages ist auch das längste Glück zu Ende.  Das Verbotene liegt in der Natur des Menschen. Es ist wie das Spiel. Man spielt nicht, um zu verlieren, man spielt  auch nicht, um zu gewinnen. Man spielt, um zu spielen. Das Leben ist eine Sucht.

Der Jurist beurteilt Jesus, Robin Hood oder Zorro als  Figuren der Überlieferung oder der Literatur. Wir kennen  ihre Wirklichkeit nicht. Sie leben für ihr Gefühl von  Gerechtigkeit. Ein Idealfall, der der Nachahmung wert ist.  Als Politiker halte ich alle drei für gefährlich. Nichts ist  schlimmer als ein Politiker, dessen Ideale nicht  hinterfragbar sind.

Standort 9: Bundesgerichtshof, Herrenstraße
Das Leben ist eine einsame Insel. Eine Straftat ist immer  ein Hilfeschrei. Eine Gesellschaft, die nur mit der Straftat umgehen kann, darf sich nicht wundern, dass ihr verlorene,  ungeliebte Söhne erwachsen. Hinwenden, zuhören und tolerieren gehört zu dem Gewinn, den wir erwirtschaften  können. Eine Residenz des Rechts? Angstfrei werden, ist das nicht das Ziel Aller?

Wenn wir wirklich Freiheit wollen, müssen wir uns befreien  von vielem, das uns einengt, das im Laufe der Jahre zugewachsen ist. Freiheit muss immer wieder neu gedacht  werden. Ich glaube nicht, dass es einen statischen Begriff davon geben kann. Natürlich ist sie dort zu Ende, wo ich  Nachbarn schädige, doch sie schafft immer wieder neue Spielräume.

Standort 10: Ständehaus, Ständehausstraße
Unrecht ist alles, was der Gesellschaft schadet, was sie  behindert. Was ich selbst Anderen antue: materieller Schaden ebenso wie seelische Grausamkeit oder körperliche  Brutalität. Ein neues Unrecht, für das es noch keine Strafe  gibt, ist die Vorverurteilung, die die Medien ausüben. Man  ist auch immer ein Opfer, wenn man Täter ist.

Die Zeit der Rache ist vorbei. Ich denke, dass wir eine der  liberalsten Strafprozessordnungen der Welt haben. Wir haben  dafür gute Gründe, wenn man an unsere Vergangenheit denkt.  Und irgendwo darf man stolz darauf sein. Ich verwahre mich  nur dagegen, dass jetzt scheibchenweise gewisse Grundrechte  beschnitten werden.

Standort 11: Marktplatz
 Politiker können keine Entscheidungen mehr treffen. Das  Verfassungsgericht wird zur Politik gezwungen. Recht und auch Demokratie sind der Deckmantel für Lobbies, die sich  der Medien bedienen. Sich der Medien bedienen heißt, manipulieren. Die Öffentlichkeit hat keine Chance: die  Wirklichkeit ist nicht sichtbar. Wie begreift sich die  Gesellschaft heute?

Der Konsensualismus ist eine Form von Geisteskrankheit in  der Gesellschaft der Vernünftigen, die heftigste Epidemien auslöst. Man trifft niemanden, der sich irren kann. Alle  haben immer Recht. Und alle kaufen ihre Wahrheiten in denselben Warenhäusern, zitieren dieselben Autoren. Dieses  in der Mitte Zusammenstreben hat wirklich etwas Beunruhigendes.

Standort 12: Werderplatz
Ich bin kein Mensch, der eingesperrt werden will. Wie vor  dem Gesetz sollte auch vor dem Knast jeder gleich sein. Jeder Politiker, Machthaber, Würdenträger. Jeder Mensch. Nur  so ist die Idee der Freiheitsstrafe verständlich und ertragbar. Wenn sich einer strafbar macht, der es besser  weiß, schadet er durch sein Tun der ganzen  Gesellschaft.

Als ich vor 35 Jahren als Richter anfing, gab es noch  Zuchthaus, bestrafte man homosexuelle Praktiken, und Verkehrsverstoß war eine Straftat. Da ist sehr schnell  eingesperrt worden. Wer einmal die Bewährung brach, hatte keine Chance. Die Gleichberechtigung war nicht durchgesetzt,  geschieden wurde nach dem Verschuldensprinzip, entmündigt  wurde auch noch.

Standort 13: Badisches Staatstheater, Theatergarten
Ich bin von hier, ich spreche kroatisch. Mein Kind ist  deutsch und mein Mann ist Franzose. Wir sind alle Europäer.  Ich würde lieber hier vor Gericht stehen als in Kroatien,  weil ich hier die Gesetze kenne. Alles, was fremd ist, ist  es auch deshalb, weil ich weniger weiß davon. Das Recht zu  kennen, ist ein Teil der Identität. Ich kann mich hier  verteidigen.

Wer einen Juden im Keller versteckt hatte und dann der  Gestapo an der Haustür gegenüberstand, durfte der lügen? Kant hätte «nein» gesagt. Wir sagen zum Glück heute, dass  die Rechte, die wir öffentlich befürworten können, das Lügenverbot - im Dritten Reich zum Beispiel - außer Kraft  setzen dürfen. In diesem Falle muss man lügen oder sollte es  tun.

Standort 14: Ehemalige Synagoge  Kronenstaße
Mitleiden ist leiden: sich nicht entfernen. Solidarität ist  etwas, das nicht zum Opfer macht. Geteiltes Leid ... man  kann Leid durch zwei teilen, kann man es durch alle teilen?  Leid ist eine Einzelhaft. Leid, Schuld und Trauer sind eins.  In der Justiz gibt es keinen Platz für die Trauer. Das Recht  ist der Entzug der eigenen Geschichte. Es bleibt nur die Geschichte, die keiner gehört haben will.

Es gibt im gesellschaftlichen Bereich wenig zu kämpfen. Die  Fortschritte sind in der Tat erzielt im Laufe der  Geschichte. Wir haben das Recht auf Freiheit in der  Verfassung festgeschrieben, im Grundgesetz. Da gibt es  nichts weiter zu kämpfen. Insofern ist der Kampf um die  Freiheit ein tägliches Bemühen um die Beachtung des status  quo.

Standort 15: Kleiner Kronenplatz, JUBEZ
Das Recht ist eine Abstraktion für die Spezialisten wie für  die davon betroffenen Täter oder Opfer. Hinter dem Rechtsempfinden der Juristen vermisst man Empfinden. Wir  haben ein wunderbares Grundgesetz. Es ist leider wehrlos gegen den Missbrauch durch die Juristen. Keiner hört mich,  doch ich rufe. Der Staat lässt sich bezahlen, ich mache das gratis.

Unrecht ist und bleibt Unrecht. Das gestrige Unrecht war  Staatsunrecht: Vergewaltigung von Menschenrecht, Vergewaltigung des Einzelnen. Wenn heute Unrecht geschieht,  ist es isoliert, nicht auf allgemeiner Basis und schon gar nicht von Staats wegen gestützt. Das Bemühen um das Recht  unter der Hoheit der Grundrechte ist heute vorhanden.

Standort 16: Universität Karlsruhe, Ehrenhof
Recht, viele schmücken sich mit deinem Namen. Wer dich  kennt, dem ist auch das Unrecht nicht fremd. Und wer das Unrecht kennt, dem brennt sich das Recht ein wie Feuer. Das  Leid, das ich selbst erlebe, ist der einzige Ort, den ich nicht verlassen kann. Richten heißt Unrecht begreifen. Wem  die Zeit dazu fehlt, der schmückt sich mit fremden Federn. Auch wenn er Richter ist.

Wie haben sich meine Eltern verhalten, warum haben sie sich  so verhalten? Auch meine Eltern wollten mit mir darüber nicht reden. In den letzten Jahren ist auch die  Bundesrepublik in - wenn auch nicht vergleichbare -  Schwierigkeiten gekommen. Und da habe ich mir die Frage  gestellt - ich bin ja mit vielem nicht einverstanden, was  hier passiert -, wie würdest du dich verhalten?

Standort 17: Hauptfriedhof, Haid-und-Neu-Straße
Ich wollte nicht mehr leben. Ich konnte nur noch an mich  selbst denken. Meine Freundin hatte Krebs, doch der hat sie nicht getötet. Ich habe sie getötet. Ich werde bald zum  ersten Mal am Grab stehen. Ich wollte das Grab bezahlen, es war nicht möglich. Der Sohn hat mir ausrichten lassen, er  hasst mich nicht. Ich würde ihm gerne sagen, wie dankbar ich  bin.

Schicksal ist kein einklagbarer Rechtsverlust. Die  Rechtsordnung regelt nur einen Lebensausschnitt. Der Mensch  kann nicht vom Recht alles erwarten. Wir haben nicht den  totalen Staat oder die totale Herrschaft des Rechts. Es gibt rechtsfreie Räume, mit denen der Bürger oder in denen er  zurecht kommen muss, ohne das Recht.

Standort 18: LASt – Landesaufnahmestelle für  Flüchtlinge, Durlacher Allee
Der Anfang vom Verhältnis zur Justiz ist die eigene  Betroffenheit. Wer es mit dem Recht zu tun bekommt, sollte  eine gute Konstitution und einen guten Anwalt haben. Wer das  Recht braucht und nicht zahlen kann, ist verloren. Es geht  oft um die Existenz, und die hängt plötzlich an einem dünnen  Faden. Oft fragt man: was hat sich der Richter dabei gedacht?

Das Ausmaß an Toleranz ist größer geworden. Vieles war  früher Tabu, was heute im täglichen Leben zu sehen ist. Ich bin selbst gespalten, wenn ich auf der Straße vermummte  Frauen sehe. Aber ich mache mir keine Gedanken, wenn eine  katholische Nonne an mir vorübergeht. Die Haube der einen  und das Kopftuch der anderen, wo ist der Unterschied?

Standort 19: Europäische Schule, Albert-Schweitzer-Straße
In der Schule erfährt man wenig vom Recht. Danach ersetzen  die Medien die Schule, und das Recht wird zum Unrecht Anderer: Sexualverbrechen, Morde füllen die Presse. In  Deutschland ist der Besitz von Haschisch strafbar. Wem habe ich geschadet ? Ich bin nicht süchtig, ich bin kein Dealer.  Ich zahle für die Ängste der Anderen.

Im Prinzip müsste die Zivilgesellschaft frei von Unrecht  sein. Unrecht ist keine menschliche Eigenschaft per se,  sondern ein Umstand, in den wir hineingeboren werden mit der  Sehnsucht, sich und andere davon zu befreien. Erst die wechselseitige Zuschreibung von Anrecht auf Recht ermöglicht  allgemeines Recht. Ihrem Wesen nach sehnt sich die Gesellschaft nach dem Recht.

Standort 20: Hardtwald
Ich wäre oft gerne ein anderer Mensch, obwohl ich mit mir zurecht komme. Es muss Rechte geben, aber wo ist das Recht? Wir sind alle ungerecht in den Augen des Rechts. Ich träume viel, tags und auch nachts. Ich träume von Schönerem als von  meinem Leben. Wer trauert, der kann nicht träumen. Nur meine Träume hat man mir gelassen.
 Niederlagen will man und darf man so wenig wie möglich  erleben. Ich war schon einmal auf der Seite und muss sagen, es hat mich stärker gemacht. Ich wusste, das möchte ich  nicht mehr erleben, dafür werde ich alles tun. Ein Schlüsselerlebnis, das mir gut tat, auch wenn ich es zuerst  nicht eingesehen habe. Was ich als ungerecht empfand, hat mich stark gemacht.

Standort 21: Hauptbahnhof
Europa stößt an die neue Welt. Jedes Land ist die Grenze  Europas. Zuerst ließen die Kolonialisten die Kolonien  zurück, jetzt stehen die Kolonien vor unserer Türe. Die  Schnittstellen sind nicht die Stellen der Gerechtigkeit,  sondern der Macht. Das Gegenteil unserer Verluste wäre der  Mut zum Verlust. Im eigenen Verzicht steckt die Chance des  Rechts.

Residenz des Rechts, das ist ja nicht nur eine Marke für  Karlsruhe, sondern für die Republik. Man kann die Bundesrepublik durchaus als die Karlsruher Republik  bezeichnen. Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof, Bundesanwaltschaft sind alle hier vereint in einem bewussten  Abstand zu Legislative als die dritte Gewalt unseres Staates.

Standort 22: Hauptbahnhof,  Südeingang
Vor dem Gericht hat man nicht das Gefühl, dass es  Gerechtigkeit gibt. Es geht um Fakten, und das Warum und  Wozu kommt nicht vor. Es sind alles Schnellverfahren. Die  eigenen Argumente zählen nicht, und das ist die eigentliche Verurteilung. Sie sind nicht mehr hörbar. Sie müssen lügen.  Es ist eine fremde Welt, die Welt der Schuldlosen.

Ich glaube, wir haben erkannt, dass es sinnvoll ist, sich,  wo es eben geht, zu einigen und nicht alles bis zum Letzten auszufechten. Die Mediation spart Vieles: Zeit, Geld und  Gesundheit. Es ist sehr wichtig, eine Entscheidung zu suchen und zu finden, die es allen Beteiligten erlaubt, das Gesicht  zu wahren und nicht lebenslang verletzt und verfeindet zu sein.

Standort 23: Rüppurr, Post Südstadt Karlsruhe  e.V.
Ungerecht finde ich es, wie man behandelt wird, weil man  sich ein einziges Mal falsch verhalten hat. Auch wenn man die Strafe schon hinter sich hat, wird man behandelt wie  einer, der sie noch verbüßen soll. Und das wird sich nicht ändern ein Leben lang, und das ist nicht gerecht. Am besten  ist wohl, wenn man gar nichts tut und sich still hält wie  ein angekettetes Tier. Die Strafe hat keinen Sinn,  leider.

Wenn die Polizei perfekt wäre, säßen wir sicher nicht alle  hinter Gittern. Nicht auf jedes strafbare Verhalten steht  eine Freiheitsstrafe. Viele haben etwas Strafbares getan und  laufen selbstverständlich frei herum. Sie haben vielleicht  eine Geldstrafe bekommen. Auch wer Gravierendes begangen  hat, läuft in der Regel eines Tages wieder frei herum.

Standort 24: Durlach, Saumarkt
Das Recht passt sich dem Leben an. Oft folgen die Gesetze  der Rechtsprechung. Was heute als rechtens empfunden wird,  können unsere Kinder als Unrecht begreifen. Die Menschen  verändern sich, vor allem aber ändert sich das Rechtsbewusstsein. Es gibt sechzehn  Bundesverfassungsrichter, damit nicht nur Mehrheiten möglich sind. Das Recht ist relativ.

Das Recht kann aus Übermut verletzt werden oder deshalb,  weil der Einzelne sich von der Gesellschaft nicht verstanden fühlt. Die Motivation des Einzelnen ist sehr  unterschiedlich. Manchmal geschieht es aus einer tiefen Kränkung heraus oder aus Unverstand. Manchmal ist es auch  allein der Wunsch oder der Wille, die Gesetze zu übertreten.








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