Mit der Frage, ob "der aus Griechenland stammende Weichkäse in
Salzlake" tatsächlich eine nicht schützenswürdige Gattungsbezeichnung
ist, beschäftigte sich kürzlich der Europäische Gerichtshof. Oliver
Güth mit den Einzelheiten.
Der Feta, der bekannteste griechische Käse, ist in der mediterranen
Küche schon lange Zeit bekannt. Aber auch in Deutschland findet er
immer mehr Anhänger und ist aus dem heimischen Käsesortiment nicht mehr
wegzudenken. Laut einer Brancheneinschätzung der Internationalen
Fachmesse für Molkereiprodukte setzte sich Feta mit einem Absatzplus
von rund 19 Prozent klar an die Spitze der wachstumsstärksten
Käsesegmente.
Feta, ein "All-Länder-Käse"?
Seit über 30 Jahren läuft die griechische Spezialität in deutschen
Molkereien vom Band, nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes Bonn
mittlerweile fast 50.000 Tonnen jährlich. Und genau so lange beklagen
die Griechen, dass Deutsche, Franzosen und Italiener ihren Käse aus
Kuhmilch herstellen und ihn als "Feta" verkaufen. Dabei bestehen sie
darauf, dass das Originalprodukt nur aus Schafsmilch gewonnen werden
darf. Mit der Frage, ob "der aus Griechenland stammende Weichkäse in
Salzlake" tatsächlich eine nicht schützenswürdige Gattungsbezeichnung
ist, beschäftigte sich nun der Europäische Gerichtshof (EuGH). Geklagt
hatten Deutschland und Dänemark, die einen Großteil des in Europa
vertriebenen Käses herstellen. Sie haben nun bis zum Jahr 2007 Zeit,
einen neuen Namen zu suchen.
Auf Natur und Mensch kommt es an
Denn bereits im Jahr 2002 hatte die EU-Kommission die Bezeichnung
"Feta" als geschützte Ursprungsbezeichnung für Griechenland
eingetragen. Nach ihrer Auffassung könne eine traditionelle Bezeichnung
wie "Feta" nur geschützt werden, wenn sie ein Lebensmittel bezeichnet,
das aus begrenzten geografischen Verhältnissen stammt. Hinzu kämen noch
besondere natürliche und menschliche Einflüsse. Außerdem dürfe die
Bezeichnung nicht zu einer Gattungsbezeichnung geworden sein. Diese
Faktoren sah die Kommission als gegeben an.
Das durch das griechische Recht begrenzte geografische Gebiet erstrecke
sich ausschließlich auf das griechische Festland. Die besondere
Tierhaltung habe zur Entwicklung kleiner einheimischer Schaf- und
Ziegenrassen geführt, die dem Enderzeugnis einen besonderen Geschmack
und Geruch verliehen. Dies habe dem Fetakäse einen hervorragenden
internationalen Ruf eingebracht. Obwohl der griechische Weichkäse in
Deutschland immer beliebter wird, blieb die Erzeugung von Feta doch auf
Griechenland konzentriert.
Andere Länder könnten nachziehen
Der Milchindustrie-Verband fürchtet nach dem EuGH-Urteil nun um seine
Marktanteile. Er wirft insbesondere den südeuropäischen Staaten vor,
die Richtlinie 2081/92 aus dem Jahr 1992 zu missbrauchen. Diese
ermöglicht es, geografische Angaben und Ursprungsbezeichnungen für
Agrarerzeugnisse schützen zu lassen. In Deutschland sind Begriffe wie
Schwarzwälder Schinken, Spreewälder Gurken und Lübecker Marzipan
dadurch geschützt So bleibt also abzuwarten, ob Länder wie die Schweiz
(Gouda, Edamer und Emmentaler) oder Frankreich (Camembert und Brie)
diesem Trend folgen oder ob regional erzeugte Produkte auch weiterhin
unter ihren gängigen Namen in unseren heimischen Supermarktregalen
stehen werden.