24.05.2005
Auf der Draisine von Karlsruhe ans Schwarze Meer
Walter Werner hat seine Wohnung und seinen Job gekündigt, sein Auto ist
verkauft. Er braucht es in der nächsten Zeit auch nicht. Denn in den
kommenden Monaten wird der abenteuerlustige Österreicher auf einer
hölzernen Laufmaschine von Karlsruhe 3.000 Kilometer entlang der Donau
ans Schwarze Meer fahren. Am 4. Mai ist Walter Werner am Karlsruher
Schloss gestartet. Im Winter hofft er am Ziel zu sein.
Warum er jetzt diese Wahnsinns-Tour auf diesem schweren und störrischen
Vehikel durchziehen will, dafür hat Walter Werner zwei Gründe:
"Erstens, weil mich fasziniert, was Drais damals erfunden hat. Ich bin
zu einem totalen Drais-Enthusiasten geworden. Denn schließlich hat er
mit seiner Laufmaschine den Grundstein zu allem gelegt, was heute
Mobilität ausmacht."
Und zweitens möchte er, der es bereits zum Vize-Weltmeister im
Draisinenfahren gebracht hat, einfach mal die Donau entlang rollen. Auf
den Spuren seiner Urahnen. Vor vielen Generationen hatten sich seine
Vorfahren in Ulm aufgemacht, um donauabwärts eine neue Heimat zu
finden. Spätere Generationen waren immer weiter am Strom entlang
gezogen. "Das interessiert mich. Ich möchte sehen, wo sie gelebt haben."
Und so wird Walter Werner am Ende rund 3.000 Kilometer gefahren sein.
Von Karlsruhe durch den Schwarzwald, zu den Quellflüssen Brigach und
Breg und dann über den Donau-Radweg bis ans Schwarze Meer. Die Donau
verläuft halt nicht so gerade wie die Autobahnen.
In Kontakt mit den Menschen
Schlafen will der Weltenbummler auf Campingplätzen. Und er hofft auf
die eine oder andere Einladung unterwegs. Wenn er wieder einmal von
neugierigen oder schlicht interessierten Passanten angesprochen wird.
Chancen darauf rechnet er sich genug aus. Schließlich erregt sein
Original-Nachbau der legendären Draisine schon gehörig Aufsehen. Nicht
allein wegen ihrer Konstruktion, sondern auch wegen der seltsamen Art
des Antriebs: Der Fahrer sitzt auf einem Lederbock und läuft, die
Maschine zwischen den Beinen.
Und dann kommt auch noch der Anhänger. Absolut atypisch, aber nötig.
Schlafsack, Kameras, ein wenig Ausrüstung und eine Alarmanlage sind da
drin. Bloß auf ein Handy verzichtet der Draisinenfahrer. Er möchte
nicht abhängig sein von permanent aufgezwungenen Kontakten. Abenteurer
eben.
"Wenn alles gut läuft, dann bin ich bis zum Winter am Schwarzen Meer",
zeigt sich Walter Werner vorsichtig optimistisch. Und er wird viel
sehen und viel erleben auf der langen Reise. Eine Reise, die nur Typen
wie er machen können.