07.02.2006
Ein Asyl der Ruhe - Voltaire 1758 in Karlsruhe - Reisebeschreibung
Immer noch spreche ich ständig von meinem Aufenthalt in Karlsruhe. Die
Natur hat diesen Ort angenehm geschaffen. Sie verschönen ihn noch durch
ihre Kunst. Wer auch immer seine Fürstin gesehen hat, wünscht sich
leidenschaftlich, ihr noch einmal seine Aufwartung machen zu dürfen.
Als ich die Ehre hatte, im Schlosse der Hohheiten zu weilen, fühlte ich
mich in meinen gedanken bestätigt, Deutschland sei jetzt das, was
Italien einmal zur Zeit der Herzöge von Ferrara und der Medici war.
Müssen denn so viele Schiksalsschäge ein Land heimsuchen, das man mit
solchen Mühen versöhnt hat, . . . die Herzogin von Gotha sieht ihr Land
verwüstet, Sachsen ist die Beute aller Greuel des Krieges, ganz
Deutschland leidet, nur Karlsruhe trägt in diesen schrecklichen Zeiten
seinen Namen zu recht.