28.02.2005
Die Geschichte vom Heidelberger Studentenkuss
Im Herzen der Altstadt liegt das älteste Café Heidelbergs. 1863 gegründet, wurde es schon bald beliebter Treffpunkt achtbarer Bürger, Professoren und – wie könnte es anders sein – zahlreicher Studenten. Denn sie alle schätzten den humorvollen Fridolin Knösel, Konditormeister mit Leib und Seele, ebenso wie die persönliche Atmosphäre seines Cafés.
Begleitet von ihren wachsamen Gouvernanten besuchten auch die jungen
Damen der damals renommierten Heidelberger Pensionate regelmäßig das
Café, wo sie stets eine Runde lebenslustiger Studenten vorfanden. War
es verwunderlich, dass sich die jungen Leute heimlich Blicke zuwarfen?
Doch die sittsamen Gouvernanten hielten selbst diese kleinen
Koketterien ihrer Schützlinge unter strenger Kontrolle.
Fridolin Knösel, dem die geheimen Wünsche der jungen Damen nicht
verborgen blieben, schloss sie selbstverständlich in sein großes Herz.
Einfallsreich, wie er war, überraschte er sie eines Tages mit einem
besonders feinen Schokoladenkonfekt, das er schmunzelnd Studentenkuss
nannte. Diese „Studentenküsse“ akzeptierten selbst die Gouvernanten,
wobei sie nicht verhindern konnten, dass die echten weiter erträumt und
später sicherlich verwirklicht wurden.
Viel Zeit ist vergangen. Vieles hat sich verändert. Doch die
Studentenküsse, liebenswürdige Erinnerung an eine romantische Zeit,
gibt es noch heute. Eine nette Idee wurde damit zu einem kleinen
Stückchen Heidelberger Geschichte, zu einem Stückchen
Studenten-Romantik, zu einem Stückchen Selbstverständnis der Stadt
Heidelberg.