Als König Konrad III. den Herzog Welf geschlagen hatte (im Jahr 1140)
und Weinsperg belagerte, so bedingten die Weiber der Belagerten die
Übergabe damit, daß eine jede auf ihren Schultern mitnehmen dürfte, was
sie tragen könne.
Der König gönnte das den Weibern. Da ließen sie alle Dinge fahren, und
nahm eine jegliche ihren Mann auf die Schulter und trugen den aus.
Und da des Königs Leute das sahen, sprachen ihrer viele, das wäre die Meinung nicht gewesen, und wollten das nicht gestatten.
Der König aber schmutzlachte und tät Gnade dem listigen Anschlag
der Frauen. »Ein königlich Wort«, rief er, »das einmal gesprochen und
zugesagt ist, soll unverwandelt bleiben.«
Die Treuen Weiber und die Weibertreu in Sage und Literatur
Es wird vermutet, dass die Geschichte der Treuen Weiber um 1144 in den
(verschollenen, aber um 1870 rekonstruierten) Paderborner Annalen
festgehalten wurde.
Um 1175 wurde sie, wahrscheinlich mit den Paderborner Annalen als
Quelle, in die Kölner Königschronik aufgenommen. Auf dieser als
zuverlässig eingeschätzten Quelle beruhen alle unsere heutigen
Kenntnisse über sie. Danach scheint sie über Jahrhunderte in
Vergessenheit geraten zu sein.
Erst um 1500 brachte Johannes Trithemius, Abt des Klosters Sponheim,
die Geschichte, die er vermutlich in der Kölner Königschronik entdeckt
hatte, wieder in Erinnerung, indem er sie in die Hirsauer Chronik und
später in die Hirsauer Annalen aufnahm. Philipp Melanchthon fügte die
Geschichte daraufhin in seine Bearbeitung der „Weltchronik“ des
Johannes Nauclerus ein, die 1516 gedruckt wurde.
Die Treuen Weiber erschienen damit zum ersten Mal im Druck und wurden,
da das Werk mehrere Auflagen erlebte, in gebildeten Kreisen rasch
bekannt. Die Geschichte erfuhr weite Verbreitung; oft wurde sie dabei –
als sogenannte Wandersage – von Weinsberg und der Weibertreu gelöst und
anderen Burgen oder Städten zugeordnet.
Gottfried August Bürger schrieb 1774 eine Ballade „Die Weiber von
Weinsberg“, die wesentlich zur Bekanntheit Weinsbergs und der Burg
beitrug.
1818 nahmen die Brüder Grimm ihre Version der Geschichte in den zweiten Teil ihrer Deutschen Sagen auf.
Justinus Kerner widmete der Burg einige Gedichte.
Adelbert von Chamisso schrieb 1831 eine Ballade „Die Weiber von Winsperg“ (1852 postum erstmals veröffentlicht).
Gustav Schmidt komponierte die Oper „Weibertreue oder Kaiser Konrad vor
Weinsberg“, die 1858 in Weimar uraufgeführt und in vielen Städten
nachgespielt wurde – zuletzt 2004 in Weinsberg auf der Weibertreu
selbst im Rahmen der Weibertreu-Festspiele.
Hermann Essig veröffentlichte 1909 das Lustspiel „Die Weiber von
Weinsberg“. 1967 schrieb Paul Wanner das Schauspiel „Schwäbische
Weibertreu“, das von den Heidenheimer Volksschauspielen am 24. Juni
1967 uraufgeführt wurde.