07.04.2006
Die den Adler (oder was auch immer) tragen
Im Laufe der Jahre sind deutsche Fußball-Nationalmannschaften mit einer
ganzen Reihe von Bezeichnungen bedacht worden. Von den "Helden von
Bern" über "Bertis Buben" bis hin zu "Rudis Resterampe" war eigentlich
schon alles dabei, womit sich bestimmte Trainerzuständigkeiten bzw.
aktuelle Leistungsstände griffig auf den Punkt bringen lassen.
Es fehlt
aber trotzdem etwas im deutschen Nationalfußball. Nämlich ein die
Jahrzehnte überdauernder Spitz-, Kampf- oder Ehrenname, der
phantasievoller als "DFB-Auswahl" ist.
In einigen anderen Ländern ist man zwar ein bisschen findiger, aber von
wirklicher Kreativität kann auch dort nicht die Rede sein, wo
Nationalteams lediglich nach der Farbe der Spielbekleidung benannt
werden. Vor diesem Hintergrund fallen also die Blauen (Frankreich), die
Grünen (Algerien und Libyen), die Roten (Belgien) sowie die
Orangefarbenen (Niederlande) leider ebenfalls durch den
Kreativitätstest. Was natürlich ebenfalls für die "himmelblaue
Mannschaft" (italienischeSquadraAzzurra) und für die
Weiß-Himmelblauen (Argentiniens Albiceleste) gilt.
Nur unwesentlich besser stellt sich schließlich die Situation dar,
wenn, wie zum Beispiel bei den mexikanischen Tricolores (abgekürztElTri), gleich drei Farben im Spiel sind. Zumal dann, wenn sich
Angehörigen anderer Nationen nicht auf Anhieb erschließt, um welche
Farben in der Nationalflagge es sich dabei denn nun genau handelt. Ganz
abgesehen davon, dass nach vorsichtigen Schätzungen 90 Prozent aller
Länder dreifarbige Flaggen haben, und es mit der Originalität Mexikos
auch deshalb nicht so weit her ist.
Ideenreicher sind da schon Tartan Army (Schottland) oder - schlicht und
aussagekräftig - Warriors/Krieger (Simbabwe). Vor dem Hintergrund der
Tatsache, dass der Fußballsport die Völker nicht trennen, sondern
gefälligst verbinden soll, haben Begriffe, die eindeutig militärischen
Ursprungs sind, aber ebenfalls keine Chancen auf Bestnoten.
Namen mit plakativer Wirkung hat man vor allem in zahlreichen
afrikanischen Ländern gefunden. Hoch im Kurs stehen dort Anleihen bei
der heimischen Tierwelt. Zum Beispiel: Algerien - Die Wüstenfüchse (Fennecs) Angola - Palancas Negras (landestypische Antilopenart) Benin - Die Eichhörnchen Botswana - Die Zebras Burkina Faso - Die Hengste Burundi' - Die Schwalben Elfenbeinküste - Die Elefanten Gabun - Die Panther Gambia - Die Skorpione Ghana - Black Stars Kamerun - Die un(be)zähmbaren Löwen Lesotho - Die Krokodile Madagaskar - Die Skorpione Mali - Die Adler Marokko - Die Atlas-Löwen Mozambique - Die Mambas Nigeria - Die Super-Adler Senegal - Die Löwen von Teranga Sudan - Die Nilkrokodile Tunesien - Die Adler von Karthago
In anderen Ländern Afrikas sind Besonderheiten aus Geschichte, Geographie und Flaggenkunde verantwortlich zu machen: Ägypten - Die Pharaos Eritrea - Red Sea Boys Kenya - Harambee Stars Liberia - Lone Star (wegen des Sterns in der Nationalflagge)
Saudi-Arabien - Die Wüstensöhne
Südafrika tanzt in Afrika in gewisser Weise aus der Reihe. Im
Gastgeberland der WM-Endrunde 2010 hört das Nationalteam nämlich auf
den Namen Bafana Bafana, was soviel wie "(Kleine) Jungs" bedeutet, dort
aber vermutlich anders als in Mitteleuropa verstanden wird.(Ehrfürchtig natürlich, man denke nur an Bertis „Buben“. Anm. von Willi)
Ausgesprochenes Bewusstsein im Zusammenhang mit der vorkolonialen
Geschichte wird in zwei Ländern Südamerikas bewiesen. Nach den
indianischen Ureinwohnern Uruguays ist das Nationalteam dieses Landes
auch als Charrúas bekannt. Und nach den heute noch in Paraguay lebenden
Guaraníes ist nicht nur die nationale Währung, sondern auch die
Nationalmannschaft benannt.
Kommen wir aber wieder zurück auf die Hitliste des Ideenreichtums.
Guten Klang hat ja das vermeintliche Zauberwort "Seleçao", das von
Leuten, die sich gern als weltläufige Fußballexperten ausgeben, oft als
Synonym für die brasilianische Nationalmannschaft verwendet wird. Eine
Bezeichnung, die wörtlich übersetzt allerdings nur "Auswahl" bedeutet.
Womit sie aus Kreativitätssicht natürlich auf einer Stufe mit
"DFB-Auswahl" steht.
Brasilianische Nationalteams waren zu ihren besten Zeiten jedenfalls
deutlich kreativer. Weshalb ihre Fans auch lieber von den Canarinhos
sprechen, und sie dabei an die kanariengelben Trikots von Pelé,
Romário, Ronaldo und anderen Weltmeistern denken. Ähnlich profan wie
bei anderen Farben ist das halt manchmal auch dann mit den Namen, wenn
sie Ballzauberen verpasst werden. Und deshalb kann es auch dafür nicht
die Note 1 geben.
Für die Spitzenplätze dieser völlig subjektiven Tabelle kommen eher
andere Länder in Frage. Zum Beispiel die Dänen, die 1992 bei der
Europameisterschaft bewiesen haben, was unter Danish Dynamite zu
verstehen ist. Oder - selbst wenn sie ihrem Namen nur sehr selten
gerecht geworden ist - die als Furia Roja (rote Furie) bekannte
Mannschaft Spaniens. Auch die Belgier nenen ihre international eher
unauffälligen Kicker "diables rouge " oder "roode duivel" (Rote Teufel).
Vor allem aber die Socceroos aus Australien. Zum einen, weil dieser
Name irgendwie lässig klingt. Aber auch deshalb, weil es down under ein
weibliches Pendant namens Matildas gibt, was sich noch viel cooler
anhört.
Artikel von Jürgen Graf, der noch mehr Fußballinfos unter