28.05.2005
"Per Anhalter durch die Galaxis" als Film
Endlich. Nun kommt der Film zum Kult um den "Anhalter". Natürlich beginnt alles mit dem Ende: Gerade als Arthur Dent richtig
wach ist, geht die Erde unter. Und niemanden interessiert mehr richtig,
ob sein Haus einer geplanten Umgehungsstraße im Wege war oder nicht.
Denn die ganze Erde hat einer intergalaktischen Express-Route weichen
müssen.
Aus, vorbei und vergessen, mal eben so gesprengt von einem Bautrupp
außerirdischer Bürokraten namens Vogonen. Die Planungsunterlagen lagen
ja lange genug aus, irgendwo in der zuständigen Behörde auf Alpha
Zentauri.
Star-Wars Storm-Trooper mit Enzephalitis
Nur keine Panik. Soweit bewegt sich die lange herbeigesehnte Verfilmung
von Douglas Adams Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" streng im
Universum ihres Erfinders Douglas Adams. Es kommt wie es kommen muss:
Der nörgelnde Erdling Arthur Dent, gespielt vom hierzulande noch recht
unbekannten Martin Freeman (seine vielleicht bekannteste Rolle war das
Porno-Lichtdouble in "Tatsächlich Liebe") wird von seinem Kumpel Ford
Prefect - Rapper Mos Def hyperraum-modisch - von der Erde gerettet. Per
Fingerzeichen, denn schließlich ist Ford Prefect hauptberuflich
Korrespondent des interstellaren Verkaufschlagers "Anhalter durch die
Galaxis".
Sie landen als blinde Passagiere im Bauschiff der Vogonen, werden ins
All geschossen und gerettet, weil just in dem Moment die "Herz aus
Gold", das einzige Raumschiff mit unendlichem
Unwahrscheinlichkeits-Antrieb vorbeifliegt. Ihre Retter: der
Weltraum-Desperado Zaphod Beeblebrox - Sam Rockwell, der eine bizarre
Performance als Glamrock-Präsident der Galaxis hinlegt -, die hübsche
Astro-Physikerin Trillian - Zooey Deschanel, über die es nicht viel
mehr zu sagen gibt - und der depressive Roboter Marvin, der aussieht
wie ein Star-Wars Storm-Trooper mit Enzephalitis.
Ratlos im Kinosessel
Gemeinsam treten sie zu einem wilden Ritt durch eine Galaxis an, wo die
merkwürdigsten Wesen und Glaubensrichtungen - ein göttliches Hatschi
zum Beispiel - herrschen. Und: Sie finden nichts weniger als die
Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen
Rest. Die ist bekanntlich: "42".
Generationen von Anhalter-Fans haben diese Geschichte seit den 1977
erstmals ausgestrahlten BBC-Radioshows in alle Welt hinaus getragen,
geschätzte 15 bis 20 Millionen Bücher in zig Sprachen gekauft und
Jahrzehnte auf diesen Film gewartet. Nur ist die Frage, haben sie mit
diesem Film gerechnet? Denn was der Videoclip und Werbespot- Regisseur
Garth Jennings mit Disney-Geldern gedreht hat, hinterlässt einen ratlos
im Kinosessel. War das der Film, den Douglas Adams wollte, als er, noch
am Drehbuch schreibend, 2001 mit erst 49 Jahren in Los Angeles starb?
In Adams' Sinn und Geist
Nun hat der "Anhalter ..." schon etliche Metamorphosen hinter sich, und
natürlich funktioniert ein und dieselbe Geschichte in unterschiedlichen
Medien ganz anders: Die Romane waren eine Weiterentwicklung der
Hörspiele, die Fernsehserie hat wiederum die Bücher interpretiert,
Comics und Musicals, Computerspiele und Internet-Communities haben den
typischen Adams'schen Witz immer noch weiterentwickelt ... trotzdem
bleibt die skeptische Frage: Wie viel Adams steckt noch in diesem Film?
Natürlich berufen sich die Macher auf Höheres: Alle neuen Figuren und
Episoden im Film hätte schon Adams erfunden, das Drehbuch sei nach
seinem Ableben nur weiterentwickelt worden, heißt es. Auch Robbie
Stamp, enger Freund, früherer Geschäftspartner und jetzt ausführender
Produzent, wird vorgeschickt, um immer wieder zu betonen, wie sehr der
Film in Adams' Sinn und Geist gedreht wurde.
Jim Hensons Gummipuppenstube
Trotzdem fragt man sich, warum Adams eine Figur wie den Propheten Humma
Kavula (John Malkovich zumindest in der oberen Körperhälfte) erfunden
haben soll, eine Figur, die das Anhalter-Motiv nicht wirklich
weiterbringt? Oder auch die Rolle der galaktischen Kanzlerin Questular.
Diese wirkt wie aus der Filmscriptschule hinein-dramatisiert und soll
wohl mit ihrer Sehnsucht nach Zaphod für ein wenig
Geschlechter-Spannung sorgen.
Auch dass die Filmemacher "ihre" Helden Arthur und Trillian mit einer
simplen Space-Lovestory belohnen, sorgt für Verstimmung. Die Vogonen
dagegen sind in Jim Hensons Gummipuppenstube entzückend belebt worden.
Komplett in Wolle verwandelt
Das alles verdeckt aber nur knapp, wie das Abenteuer im Mittelteil
schwer durchhängt. Seine Stärken hat der Film eindeutig am Anfang und
am Ende, wo er sich ganz auf Adams'schen Hintersinn und ironisches
Philosophieren über das Leben, das Universum und den ganzen Rest
einlässt. Die Action-Nummer rund um Zaphods Kopfverlust und Trillians
Entführung aber sorgt nur gelegentlich für Geistesblitze. Mag sein,
dass es für die Drehbuch-Doktoren schwer war, Douglas Adams' Wortgewalt
posthum zu erreichen oder gar in Bilder zu packen. Jedoch Wortwitz
einfach durch Slapstick-Action zu ersetzen - da vermisst man Adams
gleich noch mehr.
Eine Szene hingegen verdient ein Extralob: Als der unendliche
Unwahrscheinlichkeits-Antrieb das Raumschiff und seine Insassen für ein
paar Augenblicke komplett in Wolle verwandelt, Woll-Figuren,
Woll-Roboter, Woll-Schalttafeln - reizend! So etwas kann man nicht
lesen, das muss man sehen. So fällt das Urteil gnädig aus: Mostly
harmless - überwiegend harmlos. Aber auch das steht ja schon bei
Douglas Adams. Apropos ironisches Philosophieren: Eingeweihte wird es
freuen, dass auch das "Handtuch" in der Verfilmung zwar eine gewisse
Rolle einnimmt - warum aber, das bleibt für den Nicht-Fan im
Verborgenen.