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30.11.2006
Schlaflos auf Schlittenfahrt - Ein Trick hilft Rentieren durch die Weihnachtsnacht



Glaubt man den Balladen zum Weihnachtsfest, dann zieht ein Rentier namens "Rudolph" den Schlitten nebst Weihnachtsmann, um Geschenke rund um den Globus zuzustellen. Das Tier ist gut gewählt, denn Rentiere sind ausgezeichnete Schichtarbeiter - dank programmierbarer innerer Uhr.

Der Weihnachtsmann reist ja in einer Nacht um die ganze Erde, um seine Geschenke an Kinder zu verteilen. Er ist nonstop unterwegs. Und seinen Schlitten, ja - den ziehen Rentiere für ihn.

Ja, und wohnen soll der Weihnachtsmann im hohen Norden. Da, wo auch Karl-Arne Stokkan lebt und forscht. Der Norweger fährt zwar keinen Schlitten. Doch mit Rentieren kennt er sich aus: Stokkan forscht über sie. Er ist Professor für arktische Biologie an der Universität Tromsö in Nord-Norwegen. Und er sagt:

Rentiere sind die perfekten Helfer für den Nikolaus. Sie arbeiten rund um die Uhr, doch sie werden niemals müde.

Hat Stokkan den Weihnachtsmann etwa heimlich beobachtet? So ähnlich! Er ließ seine Helfer beschatten, die Rentiere. Davon gibt es Abertausende in Norwegen. Nur eine Art lebt frei in der Natur. Die anderen sind Nutztiere und begehrte Fleischlieferanten, halb zahm, halb wild. Sie lungern nicht in irgendwelchen Koppeln herum, sondern streifen in großen Herden durch die karge arktische Landschaft. Die Forscher wollten wissen, wie die biologischen Uhren der Rentiere eigentlich ticken, wie ihr Tagesrhythmus aussieht. Denn dort, wo sich der Weihnachtsmann sein Schlittengespann sucht, in der hohen Arktis - dort herrscht im Winter Polarnacht, und im Sommer ist es rund um die Uhr hell. Einen Wechsel von Tag und Nacht gibt es nur vorübergehend im Frühjahr und Herbst. Stokkans Arbeitsgruppe stattete zwölf einzelne Tiere mit Sendern aus. Und mit speziellen Aktivitätsmessern.

Wir wählten zwei verschiedene Rentier-Arten aus. Die eine lebt in Mittelskandinavien, die andere ziemlich hoch im Norden, auf fast 80 Grad nördlicher Breite. Ein Jahr lang haben wir das Aktivitätsmuster der Tiere verfolgt. Mit Sensoren übrigens, wie sie auch in Autos eingesetzt werden: diese Beschleunigungsmesser, die den Airbag auslösen.

Nach Abschluss der Studie steht nun fest: Es gibt wohl kaum geeignetere Arbeitstiere, die sich der Weihnachtsmann vor seinen Schlitten spannen könnte:

Bei den Rentieren aus der hohen Arktis haben wir im Sommer und Winter überhaupt keinen Tagesrhythmus feststellen können. Selbst im Frühjahr und Herbst war er nur ganz, ganz schwach ausgeprägt. Die Tiere schlafen nicht so wie wir an einem Stück. Sie haben nur kurze, episodische Ruhephasen. Und gerade in dieser Jahreszeit gibt es für sie weder Tag noch Nacht. Der Weihnachtsmann darf sich freuen: Seine Rentiere arbeiten klaglos rund um die Uhr.

Biologe Stokkan wird sich jetzt wohl auf die Suche nach dem Schlittenlenker selbst machen müssen. Denn eine Frage ist noch unbeantwortet: Wie bewältigt eigentlich der Mann mit der roten Zipfelmütze und dem weißen Rauschebart die Reise um die Erde in einem Tag?

Der Weihnachtsmann müsste an für sich Probleme bekommen. Es gibt mehrere Studien aus der Arktis und Antarktis, in denen untersucht wurde, wie der Mensch auf die Lichtverhältnisse an den Polen reagiert. Und da zeigte sich: Selbst im Sommer und Winter behält er seinen gewohnten Schlaf-Wach-Rhythmus bei.

(Volker Mrasek)

Quelle: www.dradio.de








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