06.02.2006
Dicke Luft in Konstanz: Mehr Feinstaub als in Stuttgart
Gönner: Geschwindigkeitsbegrenzung nach Schweizer Vorbild nur begrenzt wirksam
Dicke Luft in Konstanz: Die Grenzstadt leidet wie die benachbarte
Schweiz unter Feinstaub. Seit Jahresbeginn wurde der Grenzwert von 50
Mikrogramm pro Kubikmeter schon an 22 Tagen überschritten. Nach Angaben
der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz
(LUBW/Karlsruhe) vom Montag übertraf Konstanz damit beispielsweise den
Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt mit 19 Tagen über dem Limit. Nach
der seit Anfang 2005 geltenden EU-Norm darf der Feinstaub-Grenzwert an
maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden.
In weiten Teilen der Deutsch-Schweiz gilt seit dem vergangenen
Wochenende wegen der Luftverschmutzung auf allen Straßen Tempo 80. Am
Montag sanken die Werte in Konstanz wie in der Schweiz leicht, weil
Wind die Luft durchmischte und sich damit ein Ende des lang anhaltenden
Inversionswetters andeutete. Dabei liegen wärmere Luftmassen über den
kalten bodennahen Schichten wie eine Glocke.
Im vergangenen Jahr war Konstanz mit 17 Tagen unter dem Limit
geblieben. 2004 wären es 21, 2003 auf Grund des «Jahrhundertsommers»
aber 37 Tage gewesen. Die Stadt hat eine Reihe von Maßnahmen für
bessere Luft ergriffen. Dazu gehören Rußfilter für Busse, Ausbau des
Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und des Radwegenetzes. Die
Stadtwerke kündigten für die nächsten Tage eine neuen Kampagne an, um
Autofahrer stärker zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen.
«Es gibt viele Gründe, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zu fahren
beziehungsweise zu Fuß zu gehen. Mehr Lebensqualität für alle ist damit
verbunden», sagte Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne). Feinstaub sei
ohnehin nur einer von vielen Schadstoffen. Der Kampf um reine Luft
könne zudem nur flächendeckend geführt werden.
Nach Ansicht von Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) ist eine
Geschwindigkeitsbegrenzung nach Schweizer Vorbild nur begrenzt wirksam.
«Das Tempolimit wirkt allenfalls außerhalb der Städte. Wir haben die
hohen Werte aber in den innerstädtischen Bereichen», gab sie zu
bedenken.