25.01.2008
Aktion «Saubere Fastnacht» soll für Traditionsbewusstsein werben - Fastnachtsbräuche teilweise vergessen
Die Fastnacht im Südwesten Deutschlands muss aus Sicht der Vereinigung
Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) wieder zu ihren Wurzeln
zurückkehren. «Wir haben die Aktion "Saubere Fastnacht" ins Leben
gerufen, um besonders junge Narren, aber auch einige ältere an die
Ursprünge zu erinnern», sagte VSAN-Präsident Roland Wehrle am Mittwoch
in einem dpa-Gespräch in Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis).
Er beklagte, dass Fastnachtsbräuche teilweise vergessen und einigen
Zünften die Narrentreffen wichtiger seien als das traditionelle Feiern
im eigenen Ort. Zudem gebe es immer mehr Absplitterungen; immer mehr
Zünfte sprössen aus dem Boden.
Neun Gebote der Vereinigung unter dem Leitspruch «Allen wohl und
niemand wehe» sollen die Narren an ein geziemendes Benehmen erinnern.
Die Regeln wie etwa «Ein echter Narr möchte stets unerkannt bleiben»
und «Ein echter Narr hat Stil und Benehmen» sind zu finden im
Narrenboten der VSAN und anderen Veröffentlichungen.
Es gebe junge Narren, «die unten herum ein schönes Häs» - das
mustergültige handbemalte Narrengewand - tragen und als Oberteil ein
einfaches T-Shirt mit dem Namen ihrer Narrenzunft, kritisierte Wehrle.
«Ein echter Narr geht ganz vermummt.» Er rief dazu auf, die
«wunderschönen Holzmasken» zu tragen und sich wieder stärker auf das
närrische Spiel des «Strählens» einzulassen. «Das Rügerecht des Narren,
der seinen Mitmenschen unerkannt den Spiegel vorhält, sie liebevoll
neckt und in allerlei Dialoge verwickelt, bedarf der Anonymität,
deshalb behält der Narr seine Maske auf.»
Wehrle warnte davor, dass durch zu viele Narrentreffen und die Abkehr
vom Feiern im eigenen Ort, lokale Bräuche verloren gehen könnten.
Außerdem betonte er: «Um ein guter Narr zu sein, reicht es nicht,
hemmungslos zu feiern.» Auch ohne Rauschtrinken könne jeder bei der
Fasnet Spaß haben.
Wehrle ist besorgt über die Zunahme der Zünfte. Weil einige Narren
zerstritten seien, komme es immer wieder zu Neugründungen. «Gab es 1950
noch 80 bis 100 Zünfte dürfte ihre Zahl heute in die 2.000 gehen.» Mit
den Abspaltungen gehe den größeren Zünften auch Einkommen verloren,
bedauerte er. Daneben meinten einige Fastnachts-Freunde in evangelisch
geprägte Regionen im Südwesten, sie müssten die schwäbisch-alemannische
Fastnacht nachahmen. «Wir sollten nicht den Ehrgeiz haben, alle zu
missionieren.»
Die schwäbisch-alemannische Fastnacht hat nach Wehrles Worten
katholische Wurzeln und ist im Vergleich zum rheinischen Karneval die
Urform närrischer Ausgelassenheit. Kein Spaß sei zu verstehen bei
«grobem Unfug», ungestümem Benehmen oder gar unsittlichen Berührungen.
«Wir sind auch nicht abhängig von Sponsoren und können von heute auf
morgen närrisches Treiben auf die Beine stellen», sagte Wehrle. Diese
Spontaneität sei möglich, da 80 Prozent der Kleidung jedes Jahr gleich
bleibe. Und nur zwischen Dreikönig und Aschermittwoch dürfe das Häs
getragen werden, wie die Aktion «Saubere Fastnacht» deutlich macht.