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27.02.2008
Energie und Wärme aus der Erde - Karlsruhe als Geothermie-Zentrum



Die Nutzung der Erdwärme boomt. Besonders der warme Oberrheingraben mit der Region um Karlsruhe eignet sich für Geothermie-Projekte, wie Experten am Dienstag im Vorfeld einer Fachtagung im November in Karlsruhe betonten. Doch auch andernorts - wie in Bad Urach - werden Erdwärme-Projekte wiederbelebt. «Wir leben auf einer relativ dünnen Kruste. Und darunter ist jede Menge Energie, die wir nutzen können», sagte Werner Bußmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Geothermie.



Der Oberrheingraben sei Schwerpunkt bei der Entwicklung der Geothermie, also der unterhalb der Erdoberfläche gespeicherten Wärmeenergie. Interessant ist für die Wissenschaftler die Region zwischen dem badischen Offenburg und dem hessischen Darmstadt, wo relativ nahe zur Erdoberfläche hohe Temperaturen im Boden herrschen. «Karlsruhe ist eine besonders bevorzugte Region», sagte der Stromerzeugungsfachmann des Verbandes, Horst Kreuter. In 2800 Metern Bohrtiefe werden hier Temperaturen von 160 Grad Celsius erreicht - ein Wert, an den selbst das wegen seiner heißen Quellen berühmte Reykjavik nicht herankommt. Die isländische Stadt kommt in 2000 bis 3000 Metern Tiefe auf etwa 120 Grad Celsius.

«Wir haben ein Geschenk der Natur - dieses Geschenk gilt es zu nutzen», meinte der technische Geschäftsführer der Karlsruher Stadtwerke, Karl Roth. Zwar hat der kommunale Energieversorger nicht die notwendige Erlaubnis, um im Stadtgebiet zu bohren; diese hat eine Firma, die mit dem Forschungszentrum Karlsruhe zusammenarbeitet. Doch in der Fächerstadt setzt man auf einen «intensiven Dialog». «Wir wollen aus Karlsruhe ein Geothermie-Zentrum machen», sagte der Erste Bürgermeister Siegfried König (CDU).

Noch behindern Bußmann zufolge vor allem hohe Bohrkosten die Entwicklung der Geothermie. Doch die Branche sieht sich im Aufwind: «Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat einen richtigen Boom ausgelöst und bringt uns weltweit mit der Technologie an die Spitze», sagte er. Die Erdwärme-Spezialisten profitieren auch von einer seit 2004 geltenden neuen Vergütungsstruktur für kleinere geothermische Kraftwerke.

Auch angesichts steigender Ölpreise wird manches Projekt, das in der Vergangenheit zu teuer schien, wieder angepackt: So strebt die Stadt Bad Urach (Kreis Reutlingen) eine Wiederaufnahme ihres ausgesetzten Erdwärme-Projekts zur Stromerzeugung an. Dazu werde in den kommenden Monaten zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt, teilte eine Sprecher des Luftkurorts mit. Die Ergebnisse sollen in etwa einem halben Jahr vorliegen.

Die Bohrungen waren 2004 gestoppt worden. Grund dafür waren technische Schwierigkeiten und damit verbundene Mehrkosten. Beim Bohren in die geplante Tiefe von etwa 4000 Metern waren die Forscher damals auf besonders widerstandsfähige Gesteinsschichten gestoßen.

Auch in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) soll von Ende 2007 an aus 2542 Metern Tiefe heißes Wasser an die Oberfläche gepumpt werden, um Strom und Wärme zu gewinnen. Der Stadt zufolge ist es das am weitesten fortgeschrittene Geothermie-Projekt in Baden-Württemberg.

Vor allem die oberflächennahe Geothermie verzeichnet nach Angaben des Verbandes bundesweit eine «dramatisch steigende Nachfrage» mit jährlichen Wachstumsraten von 35 bis 40 Prozent. Bei Neubauten gebe es einen deutlichen Trend weg von fossilen Energieträgern. Bußmann zufolge gibt es in Deutschland bereits 60 000 bis 80 000 kleinere Anlagen zum Heizen und Klimatisieren. Allein die EnBW fördert mit einer Million Euro die Installation von Erdwärmesonden in Verbindung mit Wärmepumpen zum Heizen von Ein- und Zweifamilienhäusern.

Die Fachtagung vom 15. bis 17. November im Karlsruher Kongresszentrum trägt den Titel «Mehr Energie von unten». Diskutiert werden sollen unter anderem Themen wie Stromerzeugung, Projektentwicklung und technologische Trends.


Stichwort: Geothermie

Geothermie ist die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Wärmeenergie (Erdwärme). In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe zu. Nach Angaben der Geothermischen Vereinigung strahlt die Erde rund vier Mal mehr Energie in den Weltraum ab, als die Menschheit derzeit verbraucht. In einer Tiefe von etwa 20 Metern herrschen konstante Temperaturen von 8 bis 12 Grad Celsius.

Die Erdwärme kann auf verschiedenen Wegen genutzt werden. So genannte Erdwärmesonden, die sich für einzelne Gebäude eignen, werden einige hundert Meter tief in den Grund gebohrt und sind fast überall möglich. In Baden-Württemberg sind zwei Drittel der Fläche für den Einsatz von Erdwärmesonden geeignet. Außerdem lassen sich an bestimmten Stellen unterirdische Heißwasserreservoirs mit Thermalwasser anzapfen. Neu ist das «Hot-Dry-Rock-Verfahren», bei dem durch zwei benachbarte Bohrungen kaltes Wasser tief in den trockenen, heißen Untergrund gepumpt und als Heißwasser wieder entnommen wird.

Aus Geothermie lässt sich Strom und Wärme produzieren. Dies ist ohne Freisetzung von Kohlendioxid (CO²) und anders als bei Wind und Sonne unabhängig von jeder Tages- und Nachtzeit, jeder Witterung und das zu allen Jahreszeiten möglich. Geothermiestrom ist darüber hinaus ein volkswirtschaftlich günstiger alternativer Strom, da er keinen zusätzlichen Aufwand zur Beschaffung, Lagerhaltung und Entsorgung benötigt.

Quelle: dpa/lsw




FIZ Karlsruhe (Hrsg): CD ROM-Datenbank Geothermie. Eggenstein-Leopoldshafen, März 2004, € 68, Bezug: FIZ Karlsruhe, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, 76344 Eggenstein-Leopoldshafen, infodienste@fiz-karlsruhe.de

www.geothermie.de


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