Die Rote Karte wird im Fußball verhängt, wenn eine grobe
Unsportlichkeit vorgefallen ist. Das kann ein übles Foulspiel, eine
Tätlichkeit oder auch eine Beleidigung sein. Auch wenn durch ein Foul
oder ein absichtliches Handspiel eine klare Torchance vereitelt wird, sieht der Übeltäter Rot.
Wenn es nach Spielende zu groben Unsportlichkeiten kommt und der
Schiedsrichter sich noch auf dem Platz befindet, kann es auch nach dem
Abpfiff noch Rot geben.
Bei der Fußball-WM 1966 kam es im Spiel Argentinien gegen England zu
Tumulten, weil ein Argentinier den mündlichen Platzverweis des
deutschen Unparteiischen nicht verstand (oder verstehen wollte) und
noch ca. 9 Minuten auf dem Platz blieb. Bei dem folgenden Chaos haben
auch einige englische Spieler Verwarnungen gegen sie nicht
mitbekommen. Den Zuschauern ging es nicht besser.
Um Ähnliches in Zukunft zu vermeiden, schlug der englische
Schiedsrichter Ken Aston vor, analog zu den international bekannten
Ampelfarben, Karten zu benutzen, die eindeutig gefärbt sind. 1947 hatte
Aston auch schon die Fähnchen für die Linienrichter
eingeführt.
Bei der WM 1970 wurde das System erstmals eingesetzt und hatte gleich
Erfolg. Löblicherweise gab es im Turnierverlauf keine einzige Rote
Karte.
Die erste Rote Karte bei einer WM sah 1974 der Chilene Carlos Caszely.
Er musste nach einem Revanchefoul an Berti Vogts im
Eröffnungsspiel der WM 1974 frühzeitig Duschen gehen.
Die Redewendung von der "Arschkarte" leitet sich wahrscheinlich
von dem häufigsten Aufbewahrungsort der roten Pappe ab: der Gesäßtasche
des Schiedsrichters. Im Schwarzweiß-Fernsehen war es so einfacher für
die Zuschauer zu erkennen, welche Karte gerade zum Einsatz kam:
Brusttasche = Gelb, Gesäßtasche = Rot. Und für den
Schiedsrichter veminderte sich die Gefahr danebenzugreifen.
Seit 1991 gibt es im Fußball auch noch die Gelb-Rote Karte. Wenn ein
Spieler schon eine Gelbe Karte für eine kleineres Vergehen gesehen hat,
führt der zweite solche Vorfall zum Ausschluss vom Spiel - das wurde
bislang mit der Roten Karte (anstelle einer zweiten Gelben)
signalisiert.
Da die aber auch für derbere Vergehen benutzt wurde, war der
Zusammenhang für die Zuschauer oft verwirrend. Vor allem, weil eine
"echte" Rote Karte normalerweise auch noch Sperren für mehrere Spiele
nach sich zieht.
Gelb-Rot bedeutet dagegen nur den Ausschluss vom laufenden und die Sperre für das folgende Spiel.
Rote Rekorde
Rigobert Song (Kamerun) ist der einzige Spieler, der in der
WM-Geschichte mehr als einmal vom Feld geschickt wurde. Er bekam 1994
gegen Brasilien und 1998 gegen Chile jeweils einen Platzverweis.
Die Schnellste Rote Karte bei einer WM sah Sergio Batista (Uruguay, 1986) nach 56 Sekunden im Spiel gegen Schottland.
Der deutsche Nationaltorhüter Jens Lehmann ist mit bislang sieben roten
Karten einer der am häufigsten vom Platz gestellten Torwarte.
Im Spiel Kroatien gegen Australien bei der WM 2006 zeigte der englische
Unparteiische dem Kroaten Josip Simunic drei Gelbe Karten. Erst die
dritte war dann auch gelb-rot.
Im Spiel Portugal gegen Niederlande (auch bei der WM 2006) gab es
insgesamt 16 gelbe Karten. Vier davon im Rahmen von Gelb-Rot. Ein
hoffentlich einsamer Rekord.